Mobile Nachbarn – Initiativen Verbund GL, Bergisch Gladbach

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Gespeichert von Eva-Maria Antz am 5. Februar 2021
Zwei Männer halten mit Abstand ein Schild zwischen sich und weiter Personen stehen da hinter

Mobile Nachbarn – Initiativen Verbund GL, Bergisch Gladbach

Engagement des Monats Juni 2021

Engagementpreis NRW | Fahrradreparaturen, Fahrradtouren, Sammlung und Verkauf von Fahrrädern – dafür engagieren sich die Ehrenamtlichen im »Mobile Nachbarn – Initiativen Verbund GL« mit vielen Stunden freiwilliger Arbeit, einer guten Vernetzung und jeder Menge Herzblut. Ihr zentrales Anliegen: Flüchtlingen und anderen Bedürftigen Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

 

Um sich in der Nachbarschaft bewegen zu können, müssen Menschen mobil sein. Eine Erfahrung, die Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften leben, besonders bewegt. Wie kommen sie zu einem Sprachkurs, einer Behörde, einem Arbeitsplatz, einem Begegnungscafé oder einem anderen Freizeitort? Aber nicht nur zugewanderte Menschen in Großunterkünften sind von Mobilität oft ausgeschlossen. Als mobilitätsarm gilt ein Mensch, der wenig Bewegungsmöglichkeiten hat und dadurch nicht oder nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann.
 

In Schildgen, Paffrath und Heidkamp – drei Ortsteilen von Bergisch Gladbach – ist das anders. Über 1.300 Fahrräder haben die Standorte von »Mobile Nachbarn« insgesamt seit 2015 schon in den Umlauf gebracht. Entstanden sind die drei Initiativen, die sich 2017 zu dem »Mobile Nachbarn – Initiativen Verbund GL« zusammengeschlossen haben, aus dem Wunsch, geflüchtete Menschen beim Ankommen in Bergisch Gladbach zu unterstützen. Von Anfang an war aber auch im Blick: alle bedürftigen Menschen sollen angesprochen werden, auch diejenigen, die schon lange oder immer schon hier leben.

Ein Herzstück des Initiativen Verbunds ist die Werkstatt und Ausgabestelle in der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde in Schildgen. Hier wird geschraubt, geflickt, werden alte Räder gewartet oder Instand gesetzt. Die dann wieder verkehrstauglichen Räder werden gegen eine Aufwandsentschädigung abgegeben – jeden Samstag hat die Ausgabestelle geöffnet. Kinderräder gibt´s bis 24 Zoll sogar umsonst und mit Helm und Warnweste. Auch in den anderen beiden Ortsteilen wird repariert und verteilt, entstanden als Support vor Ort bei den Unterkünften.

Reparaturen und Ausgabe sind aber längst nicht alles, was an Aktivitäten im Initiativen Verbund GL passiert. In der Saison von April bis September werden monatlich Fahrradtouren angeboten. Dann wird gemeinsam die Umgebung erkundet – verbunden mit viel Spaß und einem echten Gemeinschaftserlebnis. Die Fahrradtouren tragen auch dazu bei, den »neuen Nachbarn« die Stadt- und Kulturlandschaft näher zu bringen. Ebenso wird durch solche gemeinsamen Fahrten der Spaß am Radfahren und das Erwerben von Fahrpraxis im hiesigen Straßenverkehr gefördert.

Mouhammad Borsa schreibt über seine Motivation zum ehrenamtlichen Engagement: »Erstens: Das ist meine Ehre mit euch zu arbeiten. Zweitens: Wenn ich gute Sachen für die andere Menschen mache, dann werden irgendwann irgendwo die guten Sachen für mich zurückkommen. Drittens: Neue Kontakte, neue nette Menschen kennenlernen.«

Ein anderes Engagementfeld im Initiativen Verbund GL unterstützt das Lernen. Für Frauen gibt es eigene Radtrainings, die von einer erfahrenen Radfahrlehrerin durchgeführt werden, für Kinder Projekte wie eine Radfahrschule.
In Schildgen ist daneben noch ein besonderes Förderprojekt entstanden: »Mobilität erlernen – Fahrrad für jedes Kind«. Insgesamt vier Grundschulen aus Bergisch Gladbach hatten sich im letzten Jahr nach dem Aufruf durch die Initiative im Namen ihrer finanziell benachteiligten Schüler/innen beworben und konnten so den Bedarf an neuen Jugendrädern decken. Um dieses Förderprojekt auch in der Zukunft fortzusetzen, wirbt der Initiativen Verbund GL dafür Spenden ein.

Wer steckt hinter dieser ganzen Arbeit und den vielen Angeboten und Aktivitäten? Es sind ca. 24 Ehrenamtliche, die kontinuierlich und zuverlässig dabei sind. Berufstätige in ihrer Freizeit, Rentner – und auch zwei der Geflüchteten, die dieses Engagement für sich als sinnvolle Beschäftigung zusammen mit anderen entdeckt haben. Selbst die Koordination der vielfältigen Aktivitäten ist ehrenamtlich.

Michael Funcke, der ehrenamtliche Koordinator: »Dankbarkeit ist nicht, was uns antreibt, noch, was wir erwarten. Aber wenn wir dann doch z.B. Dankesbriefe erhalten oder bei der Fahrradübergabe in leuchtende Kinderaugen blicken, weiß man einfach, wofür man seine Zeit geschenkt hat.«

In der Corona-Zeit – in den Jahren 2020 und 2021 – mussten so manche der geschilderten Aktivitäten ausfallen. Diese Zeit hat aber auch gezeigt, wie wichtig die Individualmobilität in Zeiten des Lockdowns ist. Und repariert wurde auch in dieser Zeit weiter!

Entstanden ist zunächst die Initiative „Mobile Nachbarn in Schildgen“. Angebunden an die katholische Ortsgemeinde hat die Initiative Mittel des Erzbistums Köln im Programm »Aktion Neue Nachbarn« genutzt. Mittlerweile ist der Initiativen Verbund GL umfangreich vernetzt mit Einrichtungen der Flüchtlingsarbeit, dem Netzwerk Paraplüs, Fahrradinitiativen wie ADFC oder sowie weiteren Akteuren von Bergisch Gladbach bis nach Köln.

Für die Zukunft haben die Ehrenamtlichen weiterhin Ideen und möchten sich gerne in der großflächigen Stadt auch in andere Stadtteile hin erweitern. Und schließlich gewinnt auch das Thema Nachhaltigkeit, Verkehrswende, Umwelt immer mehr an Bedeutung.

Kontakt und Ansprechpartner:
Kath. Kirchengemeinde Herz Jesu Schildgen im KGV Bergisch Gladbach-West
Michael Funcke
Altenberger-Dom-Str. 140
51467 Bergisch Gladbach
Tel.: 0173 2966496
E-Mail: kontakt@mobile-nachbarn-schildgen.de
Web: https://www.mobile-nachbarn-schildgen.de

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