Offenes Ohr per Mail: Jugendliche beraten Jugendliche

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Offenes Ohr per Mail: Jugendliche beraten Jugendliche

Engagement des Monats Juni 2019

Engagementpreis NRW | Die Initiative [U 25] aus Gelsenkirchen setzt bei ihrer Beratung auf das Peer-to-Peer-Prinzip. Geschulte junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren helfen Gleichaltrigen per Mail: sie hören ihnen zu und begleiten sie in Krisensituationen und bei Suizidgedanken. Darüber hinaus nutzt die Initiative Soziale Medien, um auf das Thema Suizid aufmerksam zu machen und darüber aufzuklären.

 

Wenn man sich verloren fühlt und es um einen herum nur noch dunkel ist, kann es sehr schwer sein, einen Ausweg aus dieser gefühlten Sackgasse zu finden.  Besonders für Jugendliche können Scham und Angst so übermächtig werden, dass sie es nicht schaffen, sich zu öffnen und mit Freund/innen, Familie oder Lehrer/innen zu sprechen. In dieser Situation wird [U 25] – Online-Mailberatung und Suizidprävention zum Lichtblick. Per Mail stehen die ehrenamtlichen Berater/innen der anonymen und kostenlosen Anlaufstelle Jugendlichen zur Seite, die eine Krise erleben oder Suizidgedanken haben.

»Das Wichtigste an unserer Arbeit ist, dass wir darüber sprechen«, meint Niko Brockerhoff. Das betreffe die Kommunikation mit Betroffenen, ebenso wie den öffentlichen Austausch, denn das Thema Suizid sei immer noch stark tabuisiert und stigmatisiert. Niko Brockerhoff leitet hauptamtlich den Gelsenkirchener Standort der Initiative. Er koordiniert und unterstützt die Arbeit der Engagierten, die – und das ist das Besondere an [U 25] – im gleichen Alter sind wie die Klient/innen, die sie beraten. Das sogenannte Peer-to-Peer-Prinzip ist einer der Erfolgsfaktoren des Projektes. Die engagierten Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren erhalten eine umfassende Qualifikation, die die Schwerpunkte Selbsterfahrung, Fachwissen und Beratungskompetenzen beinhaltet. »Die Berater/innen verfassen bei der Schulung Probemails, die dann gemeinsam diskutiert werden. Sie lernen, was besonders wichtig ist: Fragen stellen, Angebote machen und Selbstwirksamkeits­erfahrungen fördern, indem man auf Ressourcen im Umfeld, wie etwa Schulsozialarbeiter/innen, hinweist«, erklärt Niko Brockerhoff. [U 25] versteht sich als niedrigschwellige Anlauf- und Beratungsstelle, sagt Brockerhoff, die andere Angebote, wie etwa eine Therapie, ergänzt. Am Standort Gelsenkirchen sind aktuell knapp 20 ehrenamtliche Berater/innen aktiv, die mit offenem Ohr am Bildschirm sitzen.

[U 25] ist eine wahre Erfolgsgeschichte: 2002 vom Arbeitskreis Leben Freiburg (AKL) mit der Absicht gegründet, gezielt Jugendliche zu erreichen, die sich selten an herkömmliche Beratungsstellen gewandt haben, wird es seit 2012 als gemeinsames Angebot mit dem Deutschen Caritasverband (DCV) betrieben. Heute gibt es [U 25] deutschlandweit an 10 Standorten. »Seit Beratungsbeginn in Gelsenkirchen im Jahr 2013 haben wir über 1500 Jugendliche begleitet. Dass der Beratungsbedarf gleichbleibend hoch ist, zeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist und dass unsere Mail-Methode funktioniert«, führt Brockerhoff aus.
 
Die E-Mail, die bei der Gründung noch als Zukunftsmedium galt, wurde zwar technisch von Messengerdiensten und ähnlichem überholt, hat sich für [U 25] aber bewährt. »Das Reflektieren und das Schreiben der Mails kann schon helfen und eine positive Wirkung entfalten«, erklärt Niko Brockerhoff das Festhalten an der elektronischen Post. Nach der Registrierung mit einem Pseudonym über die [U 25]-Homepage stellen Klient/innen eine Erstanfrage, die innerhalb von 48 Stunden beantwortet wird. Danach melden sich die gleichaltrigen Berater/innen stets innerhalb von 7 Tagen zurück. Dies lässt den ehrenamtlich Aktiven ausreichend Zeit für die Antwort und den Klient/innen Zeit für die Reflexion, was nachweislich suizidpräventiv wirkt. Die häufig beklagte Anonymität im Netz senkt in diesem Fall die Hürde, sich jemandem mitzuteilen: »Betroffene haben die Sicherheit, offen über ihre Gedanken, Emotionen und Probleme sprechen zu können, ohne Konsequenzen, wie beispielsweise eine Einweisung, zu befürchten«, erläutert Brockerhoff.
 
Mittlerweile werden auch Soziale Medien genutzt, um junge Menschen anzusprechen und das Angebot bekannter zu machen. »Neben der Online-Mailberatung klären wir zur Thematik über die sozialen Medien auf und treten auch an Schulen und andere (Bildungs-)Einrichtungen heran, um dort mit Vorträgen und Workshops Präventivarbeit zu leisten«, so Brockerhoff über den Ausbau des Angebots. Ziel sei es Schulen, Institutionen und die Gesellschaft insgesamt zu sensibilisieren und so das Thema Suizid bei Jugendlichen zu enttabuisieren. In der Folge könnte es Betroffenen leichter fallen, ihre Gedanken auch in ihrem Umfeld anzusprechen. Aktuell plant [U 25] außerdem die Entwicklung einer App sowie einer Chatberatung. So werden hoffentlich immer mehr Betroffene einen Ausweg aus der Sackgasse finden können.

Kontakt und Ansprechpartner
Caritasverband für die Stadt Gelsenkirchen e.V.
[U25] Gelsenkirchen - Onlinemailberatung und Suizidprävention
Niko Brockerhoff
Kirchstraße 51
45879 Gelsenkirchen
Web: www.u25-gelsenkirchen.de
E-Mail: niko.brockerhoff@caritas-gelsenkirchen.de

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