La Voix des Migrants: Flüchtlingen eine Stimme geben

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Gespeichert von Ulrich Rüttgers am 1. März 2016
Mitglieder auf dem Weg zu einer Flüchtlingskonferenz in Wuppertal

La Voix des Migrants: Flüchtlingen eine Stimme geben

Engagement des Monats März 2016

Engagementpreis NRW | Eine ehrenamtliche Initiative von Afrikaner/innen aus der Subsahara stärkt die Vernetzung von Migrant/innen und Flüchtlingen untereinander und möchte ihnen eine Stimme geben. Im Mittelpunkt stehen Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit zu Fluchtursachen und zur Situation von Flüchtlingen und Migrant/innen in Deutschland.

 

Ob in Köln, Essen, Dortmund, Gelsenkirchen oder Bochum: seit 2014 arbeitet die in Berlin und Bremen gegründete Initiative »La Voix des Migrants« auch in NRW und ist mit Migrant/innen und freiwilligen Unterstützer/innen vor Ort vernetzt. Die selbstorganisierte Initiative von Flüchtlingen für Flüchtlinge bietet praxisnahe Unterstützung im Alltag. Sie klärt Flüchtlinge über ihre Rechte und Pflichten auf und weist auf Adressen und Anlaufstellen in den Kommunen hin. Sie bietet insbesondere denjenigen Flüchtlingen Unterstützung, die unter traumatischen Störungen infolge ihrer gefährlichen und oft langjährigen Flucht leiden. Zugleich leistet die Initiative Bildungsarbeit in Schulen und Jugendeinrichtungen, um über die Situation und den Alltag von Flüchtlingen und Asylbewerber/innen in NRW, Deutschland und der Welt aufzuklären.   

Dabei betten die Aktiven ihr eigenes Handeln in die großen weltweiten Migrationsbewegungen ein und fordern vor diesem Hintergrund mehr gesellschaftliche Akzeptanz, Verständnis und politische Teilhabe. Der im ostwestfälischen Delbrück lebende Mohamed Bangoura ist vor drei Jahren aus dem westafrikanischen Land Guinea – einer Militärdiktatur – nach Deutschland geflohen. Seitdem wartet er auf seine Anerkennung als politischer Flüchtling. Er formuliert das Anliegen der Initiative so: »Bewegungsfreiheit ist ein Menschenrecht. Wir möchten den Blick darauf lenken, dass die Welt in Bewegung ist. Wir sind Zeitzeugen der aktuellen Migrationsgeschichte, wir wollen gehört und gesehen werden. Wir sind zwar Opfer, aber wir wollen kein Mitleid, sondern Solidarität«.

Wir sind Zeitzeugen der aktuellen Migrationsgeschichte. Wir sind zwar Opfer, aber wir wollen kein Mitleid, sondern Solidarität.

So kritisieren die Aktiven die Unterscheidung zwischen »guten« und »bösen« Flüchtlingen. Diese Einteilung würde der gesellschaftlichen und politischen Realität in vielen Ländern Subsahara-Afrikas nicht gerecht, meint Mohamed Bangoura. Im Rahmen der Aufklärungsarbeit der Initiative sei es deshalb immer wieder wichtig zu erklären, »warum wir unsere Heimatländer verlassen haben und warum wir nach Europa gekommen sind«. Auch in sog. sicheren Herkunftsländern gebe es – neben fehlenden wirtschaftlichen und politischen Perspektiven – häufig strukturelle Gewalt, Verfolgung und Diskriminierung. Diese individuellen Erfahrungen seien für viele Menschen der Grund, aus ihren Heimatländern zu fliehen: »Wir haben die Migration nach Europa als einzige Chance gesehen, aus neokolonialen Strukturen, Armut und Perspektivlosigkeit zu entfliehen. Wir haben unser Leben und unsere Gesundheit aufs Spiel gesetzt, um die EU-Außengrenzen zu überwinden und nach Europa zu kommen«.

Ulla Rothe hat Respekt vor diesem Verhalten. Sie engagiert sich seit vielen Jahren tatkräftig für geflohene Menschen aus den frankophonen Ländern Westafrikas. Frau Rothe weist darauf hin, dass »die Angst vor Abschiebung« gerade Menschen, die aus Ländern südlich der Sahara nach Deutschland geflohen sind, lediglich ein »Leben in Isolation und Ausgrenzung« ermöglicht. Doch auch diese Menschen hätten das Recht, »in Würde und Frieden« in Deutschland zu leben.

Nicht zuletzt deshalb sei es wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen, betont Mohamed Bangoura: »Wir erleben immer wieder, dass häufig über uns, aber selten mit uns geredet wird. Deswegen haben wir angefangen, uns auch in NRW selbst zu organisieren. Mit deutschen Unterstützer/innen und anderen Flüchtlingen wollen wir auf Augenhöhe kommunizieren und gleichberechtigt Lösungen für unsere Probleme erarbeiten«. Vor diesem Hintergrund hoffen sowohl Ulla Rothe als auch Mohamed Bangoura darauf, dass sich eine Verbesserung der Lebenssituation von Flüchtlingen aus Subsahara-Afrika erreichen lässt. An ihrem Engagement sollte das in jedem Fall nicht scheitern.

Kontakt und Ansprechperson
La Voix des Migrants
c/o Ulla Rothe
E-Mail: ulla.rothe@gmx.de

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