Neue Nachbarschaft macht Schule

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Gespeichert von Tim Strehlau am 28. Januar 2016

Neue Nachbarschaft macht Schule

Engagement des Monats Februar 2016

Engagementpreis NRW | Ein Hilfsprojekt der besonderen Art haben Schülerinnen und Schüler im westfälischen Ense auf den Weg gebracht: ursprünglich als reines Schulprojekt gedacht, hat sich in der kleinen Stadt im Kreis Soest unter dem Namen »Flüchtlinge werden Nachbarn« mittlerweile eine erfolgreiche Initiative entwickelt, an der sich zahlreiche Enser Bürgerinnen und Bürger beteiligen.

 

Am Anfang der Enser Erfolgsgeschichte steht ein Schulprojekt. Im Winter 2014 hatte Daniel Keil, Lehrer für Sozialwissenschaften und Geschichte an der örtlichen Conrad-von-Ense-Sekundarschule, die Idee, die Situation der Flüchtlinge in seiner Gemeinde zum Gegenstand des Unterrichts zu machen. Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 und 9 sollten sich in einem lebensweltnahen Projekt mit den Sorgen und Hoffnungen der Menschen auseinandersetzen, die auf ihrer Flucht vor Terror und Krieg in die kleine Stadt am nördlichen Rand des Sauerlandes gekommen waren.

Die Schüler/innen nahmen daraufhin Kontakt zu den in Ense lebenden Flüchtlingen und Asylbewerber/innen auf. Es wurde deutlich, dass die Flüchtlinge in der Gemeinde mit ihren etwa 12.500 Einwohner/innen zwar gut untergebracht, sie im Alltag aber noch kaum in das Gemeindeleben einbezogen wurden. Fehlende Sprachkenntnisse, Zukunftsängste und Langeweile bestimmten den Tagesablauf der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea. Um miteinander ins Gespräch zu kommen, organisierten die Schülerinnen und Schüler in einem ersten Schritt gemeinsame Fußball- und Spielenachmittage, einen Kleiderbasar oder eine selbstorganisierte Fahrradbörse. Mit großem Erfolg, denn »die Angebote wurden begeistert angenommen«, erzählt Daniel Keil von den motivierenden Erfolgserlebnissen der Anfangszeit.

Und was als zeitlich befristetes und rein schulisches Projekt gedacht war, entwickelte sich in der Folge rasch zu einem Vorhaben, dem sich immer mehr Menschen in Ense anschließen wollten. So markierte das Ende des Schulprojekts den Anfang der Bürgerinitiative »Flüchtlinge werden Nachbarn in Ense«. Mittlerweile engagieren sich rund 40 Menschen fest in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen der Initiative. Die von der Stadt und der örtlichen Zivilgesellschaft unterstützte Bürgerinitiative hat sich somit in kürzester Zeit ein vielköpfiges Hilfenetzwerk aufgebaut, welches durch sein Handeln die Situation der Flüchtlinge vor Ort entscheidend mitprägt. »Ohne euch ginge es nicht«, so bringt der Enser Bürgermeister Hubert Wegener die allgemeine Wertschätzung für die ehrenamtliche Arbeit der Initiative auf den Punkt.

Dabei steht das Engagement unter dem Motto »Hilfe zur Selbsthilfe«: die Flüchtlinge in Ense sollen lernen, ihr Leben in der neuen Umgebung selbstständig zu organisieren. Die Eigenständigkeit wird beispielsweise durch eine eigens erstellte und in viele Sprachen übersetzte Willkommensbroschüre gefördert, die Flüchtlingen wichtige Informationen über die Gemeinde weitergibt, zum Beispiel Adressen von Ärzten, Apotheken oder Tipps für Einkaufsmöglichkeiten. Die Broschüre informiert aber auch über Kultur und Brauchtum in Deutschland und Ense.

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Flüchtlinge werden Nachbarn in Ense Film von Carlo Busemann und Matthis Grobe (Schüler der 10. Klasse der Conrad-von-Ense-Schule und Mitglieder der Initiative).

Gleichzeitig können die Neuangekommenen ihre eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten den Helferinnen und Helfern per »Checkliste« mitteilen. Dieser Aspekt ist Daniel Keil besonders wichtig, denn für ihn ist vor dem Hintergrund seiner bisher gemachten Erfahrungen eines sonnenklar: Nur durch gemeinsame Aktivitäten, gegenseitiges Verständnis und eine Begegnung auf Augenhöhe können aus fremden Flüchtlingen Freunde und Nachbarn werden.

Kontakt
Bürgerinitiative Flüchtlinge werden Nachbarn in Ense
Daniel Keil
Rochollweg 22
59469 Ense
E-Mail: fluechtlingewerdennachbarn@gmail.com
Facebook: https://www.facebook.com/FlueweNa/
(Flüchtlinge werden Nachbarn)  

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