Willkommenskultur zwischen Streuobstwiese und Flüchtlingsunterkunft

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Gespeichert von Tim Strehlau am 27. Juli 2016
Aktion »Bunte Früchte – Volle Gläser«

Willkommenskultur zwischen Streuobstwiese und Flüchtlingsunterkunft

Engagement des Monats August 2016

Engagementpreis NRW | Das solidarische Miteinander der Menschen in ihrer Region zu stärken, ist ein zentrales Anliegen von engagierten Jugendlichen im Kreis Soest. Deren Projekt verbindet unter anderem Umweltschutz mit Flüchtlingsarbeit und zeigt, wie mit großen und kleinen Aktionen vor Ort Integration und Willkommenskultur gefördert werden können.

 

Was haben Äpfel und Birnen, Chutney und Marmelade mit Integration zu tun? Auf den ersten Blick nichts, könnte man meinen. Doch wenn Felix Becker von seiner Aktion »Bunte Früchte – volle Gläser« erzählt, wird schnell klar, auf welche Weise Obst zu einer lokalen Willkommenskultur beitragen kann. Alles, was es dazu braucht, sind eine gute Idee und reife Früchte auf Streuobstwiesen im Gemeindebesitz.

Und so fanden sich im vergangenen Herbst zahlreiche Jugendliche aus dem Kreis Soest zusammen, um gemeinsam mit Geflüchteten an drei Tagen Unmengen an Äpfeln, Birnen, Zwetschgen und anderen Obstsorten zu leckeren Marmeladen, Chutneys, Kompott und Säften zu verarbeiten. Ein Teil der Ausbeute wurde anschließend auf dem Begegnungsfest der BUNDjugend Soest als Spende abgegeben oder in der örtlichen Flüchtlingsunterkunft an Geflüchtete verteilt.

Obwohl die Aktion viel Spaß gemacht und bei allen Beteiligten für freudige Gesichter gesorgt hat, hat sie doch einen ernsten Hintergrund, wie Felix Becker, Mitglied der BUNDjugend Soest, erläutert. Denn seit dem Jahr 2015 gehört die Zuwanderung von Flüchtlingen zum Alltag im Kreis Soest, der sich in 14 Gemeinden und sieben Städte gliedert und in dem knapp 300.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben. Spätestens mit der Einrichtung einer Zentralen Unterbringungseinrichtung des Landes NRW in der zum Kreis Soest gehörenden Stadt Rüthen war den engagierten Mitgliedern der Soester BUNDjugend klar, dass sie für die Teilhabe der Geflüchteten aktiv werden und sich für eine »gelebte Willkommenskultur« in ihrer Region einsetzen wollten.

Dazu starteten sie ein Projekt, mit dem sie statt der vielfach artikulierten Ablehnung von Asylsuchenden »viele starke Zeichen für Solidarität« setzen wollten. Gesagt, getan: es wurden Projekttage an örtlichen (Grund-)Schulen zu den Themen Migration, Flucht und Asyl organisiert, es wurden gemeinsame Freizeitaktivitäten von Einheimischen und Geflüchteten auf die Beine gestellt, es wird bis heute gemeinsam gekocht oder Fußball gespielt. Mohammed Almasalmeh, der als Gruppenmitglied bei vielen der Aktionen mitwirkte, berichtet von seinen Erfahrungen: „Bei unseren Aktionen haben wir viel Spaß. Es ist ein gutes Gefühl, Schönes und Sinnvolles miteinander zu verbinden.“ An der BUNDjugend schätzt er den Kontakt auf Augenhöhe.

Es geht nicht darum, dass mir von oben herab geholfen wird, sondern einfach darum, zusammen aktiv zu sein und Rassismus zu bekämpfen.

Mohammed Almasalmeh (aktives Gruppenmitglied)

Höhepunkt der Aktivitäten war ein großes Begegnungsfest in Rüthen, zu dem im Herbst 2015 rund 1.000 Menschen kamen – darunter 500 Asylsuchende. Mit der Veranstaltung, die von der örtlichen Bürgerstiftung und dem Erzbistum Paderborn unterstützt wurde, »haben wir einen Raum des Austauschs geschaffen, in dem Geflüchtete zu Wort kommen und ihre Geschichte erzählen konnten«, blickt Felix Becker ein wenig stolz auf den besonderen Tag im Oktober 2015 zurück.

Neben vielen Spielangeboten für die Kinder gab es eine Bilderausstellung, musikalische Beiträge und internationale kulinarische Köstlichkeiten. Hierfür sorgte auch die Schülerin Vivienne Mühlhaus: »Das Ziel des Festes und anderer BUNDjugend-Aktionen ist das Zusammenkommen, Empathie und ein friedliches Miteinander.« Mohammed Almasalmeh trug zu diesem Tag bei, indem er von der Situation in Syrien, seiner Fluchtgeschichte und dem Leben in Deutschland berichtete: »Mir ist es wichtig, Menschen von meiner Geschichte zu erzählen, da die meisten sehr wenig über Syrien und die Lebensbedingungen von Asylsuchenden in Deutschland wissen«.

Das Fest sei »ein wichtiger Beitrag für Partizipation und eine gelebte Willkommenskultur« gewesen und ein »starkes Zeichen für ein solidarisches Miteinander und gegen Rassismus in der Region«, ist Felix Becker überzeugt. Diese Erfahrungen flossen im Anschluss in einen von den Jugendlichen selbst erstellten Leitfaden ein, der jetzt deutschlandweit im Umweltschutz engagierte Menschen dazu motiviert, sich für die Einbindung und gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten einzusetzen.

Vor diesem Hintergrund zieht Felix Becker ein ermutigendes Zwischenfazit des Projekts: durch den Kontakt mit Asylsuchenden hätten sich »tolle Freundschaften und interessante Begegnungen entwickelt, in denen wir viel über unterschiedliche Lebensweisen, eigene Vorurteile und gesellschaftlichen Rassismus gelernt haben«.

Kontakt und Ansprechpartner
Felix Becker
BUNDjugend Soest
E-Mail: felix.becker@bundjugend-nrw.de
Web: www.bundjugend-nrw.de/mitmachen/jugendgruppen/soest/

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