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zwei Kinder in zwei großen Schwimmreifen, in der Mitte eine Frau, die die Reifen festhält und lacht

Willkommen im TuS: Sport verbindet in Medebach

Engagement des Monats September 2022

Engagementpreis NRW | Unter dem Motto »Willkommen im TuS« vermittelt der Turn- und Sportverein Medebach mit besonderen Veranstaltungen und Aktionen sportbegeisterte Menschen aus aller Welt in ihre Abteilungen. Auch diejenigen, die infolge des Angriffskriegs auf die Ukraine in die Kleinstadt Medebach gekommen sind, empfängt der Sportverein mit offenen Armen. Zur Integrationsarbeit gehört ebenso, Menschen mit Migrationsgeschichte auf den verschiedenen Ebenen des Vereinslebens aktiv als Ehrenamtliche einzubinden.

Der TuS 1919 Medebach e.V. ist ein wichtiger Akteur in der rund 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Hansestadt Medebach im Osten des Hochsauerlandkreises. Der familiär geprägte Sportverein blickt mittlerweile auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Ein zentraler Aspekt der Vereinsphilosophie ist schon immer die Integration der Menschen vor Ort gewesen. Und das ist nicht in erster Linie bezogen auf die Gewinnung von neuen Vereinsmitgliedern. Deren Zahl ist mit über 1.000 ohnehin sehr groß. Vielmehr geht es den Vereinsverantwortlichen um die Mitgestaltung einer lokalen Willkommenskultur, die allen Neumedebacherinnen und Neumedebachern ein gutes Ankommen ermöglicht.

Schon nach 1945 kamen hunderte Geflüchtete aus den Ostgebieten nach Medebach und fanden auch über den TuS Anschluss an die Gesellschaft, halfen damals mit beim Bau von Sportplätzen. Ganz besonderen Wert legen die Vereinsverantwortlichen bis heute auf die Einbindung von neuhinzugezogenen Kindern. Ihnen möchten sie dabei zu helfen, nicht nur einen neuen Wohnort, sondern ein neues Zuhause zu finden. Als im Jahr 2015 viele Geflüchtete nach Medebach kamen, organisierte der Verein kurzfristig ein großes Treffen, an dem rund 80 Menschen teilnahmen. Etliche von ihnen konnten in die verschiedenen Abteilungen des Vereins aufgenommen werden. Es folgten ein Fußballcamp und ein Zirkusprojekt, das auch vielen Neuankömmlingen die Möglichkeit bot, bei der Organisation mitanzupacken. Während ihre Eltern beim Zeltaufbau halfen, wurden auch 15 Flüchtlingskinder in der Manege kreativ.

»Durch solche Aktionen entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Wir sprechen intensiv mit den Eltern, um ihnen einen Einblick ins Vereinsleben und unsere Angebote zu geben. Nach Erfahrungen aus einem Krieg ist es für viele nicht einfach, ihre Kinder loszulassen. Doch nach zwei, drei Tagen haben wir Vertrauen geschaffen und die Kinder kommen dann auch ohne ihre Eltern. Viele ehemalige Flüchtlingskinder sind heute längst feste TuS-Sportlerinnen und -Sportler«, erläutert Kerstin Neumann-Schnurbus, 2. Vorsitzende des Vereins und dessen Integrationsbeauftragte. Auch nach der Ankunft von mittlerweile knapp 150 Menschen aus der Ukraine ist der Verein aktiv geworden. »Wir haben eine Stadtführung für die Ukrainerinnen und Ukrainer auf die Beine gestellt, möchten sie an die Hand nehmen, wollen einfach helfen«, sagt Kerstin Neumann-Schnurbus, die den Verein auch in einer kommunalen AG zu Flucht- und Asylfragen vertritt. Der Verein hilft bei der Vermittlung von privaten Unterkünften und vermittelt interessierte Sportlerinnen und Sportler – auch an andere Vereine in der Region. Einem »Integrationsbadetag« folgt im September ein Sportaktionstag, für den ukrainische Übungsleiterinnen und Übungsleiter gesucht werden.

Denn der Verein hat noch ein weiteres Ziel: Menschen mit Migrationshintergrund dafür zu gewinnen, sich auf allen Ebenen des Vereinslebens aktiv als Ehrenamtliche einzubringen. Matthias Schröder, 1. Vorsitzender des TuS, sieht hierfür aus eigener Erfahrung gute Ausgangsbedingungen: »Einige Geflüchtete bieten sich aktiv für ein ehrenamtliches Engagement an. Sie wollen sich auf diesem Weg für die Hilfe bei der Orientierung an einem neuen Ort bedanken, die wir als Verein zusammen mit Partnern wie den Schulen, Kitas oder dem Familienzentrum ermöglicht haben.«

Der TuS Medebach ist wie die meisten Sportvereine auf aktive Mitglieder angewiesen. Ihre Einbindung in die Vereinsarbeit entscheidet über funktionierende Strukturen. »In einem großen Verein wie unserem gibt es so viele wichtige Aufgaben, auf und neben dem Spielfeld. Unsere Engagierten mit Fluchtgeschichte sind neben ihrer Tätigkeit als Trainer oder Kursleiterinnen immer auch so etwas wie ›Botschafterinnen und Botschafter‹, die in ihre jeweiligen Communities wirken und ansprechbar sind«, so Matthias Schröder. Bei all dem soll es aber zu keiner Überlastung einzelner Engagierter kommen. Beim TuS Medebach ist man daher dazu übergegangen, Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. In den Abteilungen wird größtenteils in Teams mit verantwortlichen Gruppenköpfen gearbeitet. Vereinsvorstand und Abteilungsvorstände haben sich zudem einer aktiven Kommunikation mit den Mitgliedern über das »warum und weshalb« verschrieben – eine weitere wichtige Voraussetzung für die Bindung von Aktiven an den Verein.

Neben Transparenz baut der TuS auch auf die Weiterqualifizierung seiner Aktiven. Drei Vereinsmitglieder wurden mittlerweile durch den Landessportbund zu Ehrenamtsmanagerinnen und
-managern ausgebildet. Sie kümmern sich nun unter anderem um die einzelnen Engagierten, indem sie mit ihnen über unterschiedliche Erwartungen und Erfahrungen an das Ehrenamt im Gespräch bleiben. Auch bei der Nachwuchsgewinnung tut sich einiges: aktuell wird beim TuS Medebach in Kooperation mit dem KreisSportBund Hochsauerlandkreis die Gründung eines J-Teams – ein Engagement- und Qualifizierungsformat für Jugendliche im Sport – vorbereitet. Es soll im Herbst 2022 offiziell gemacht werden. Doch schon jetzt unterstützt die Gruppe das örtliche Kolping-Ferienlager und bereitet weitere Aktionen vor, um die jungen Perspektiven im Verein zu stärken. Das Team besteht derzeit aus einem fünfköpfigen Vorstand sowie jeweils zwei Jugendlichen aus den fünf Abteilungen des Vereins.

Auch in Sachen Kommunikation setzt der Verein neben Bewährtem auch auf neue, zeitgemäße Formen: Über vielfältige analoge und digitale Wege vom mehrsprachigen Flyer bis zur vereinseigenen App, mit Challenges über Social Media und regelmäßigen vereinsinternen Wettbewerben wie das »Sportbild des Jahres« oder der »TuS-Aufkleber auf Reisen« zeigt sich die Turn und Sportgemeinde als (welt)offener Verein und hält engen Kontakt zu seinen Mitgliedern. Dass es im Zuge der Corona-Pandemie keine Mitgliederverluste gab, werten die Vorsitzenden als verdienten Lohn der gemeinsamen Bemühungen. »Am Ende geht es doch darum, dass sich die Menschen im Verein zuhause fühlen. So, dass sie sich selbst einbringen und dem Verein ein stückweit ihren Stempel aufdrücken möchten«, lautet ihr optimistisches Fazit.

Kontakt und Ansprechpartner:
TuS Medebach 1919 e.V.
Matthias Schröder
1. Vorsitzender
Hardtstr.17
59964 Medebach
Tel. (02982) 930 36 06
E-Mail: info[at]tus-medebach.de
Web: www.tus-medebach.de