Logo
Eine Rollstuhlfahrerin und ein Fußgänger tanzen.

Tanzen Inklusiv in Nordrhein-Westfalen: vereint im Engagement

Engagement des Monats Dezember 2022

Engagementpreis NRW | Seit beinah 30 Jahren bringt Tanzen Inklusiv in Nordrhein-Westfalen e.V. Menschen mit einer Beeinträchtigung in Bewegung. Zunächst mit einem Fokus auf Rollstuhltanz erweiterte der Verein sein Portfolio im Jahr 2016 und bietet nun auch Tanzen für Menschen mit geistiger Behinderung, mit einer Sehbehinderung oder mit Demenz sowie Sitztanz an. Der Verein wird ehrenamtlich und inklusiv geführt. Mit einem Blick auf die Ressourcen der Einzelnen und mit einer Kultur der Wertschätzung begeistert er für ehrenamtliches Engagement ebenso wie für den Tanzsport.

Die Aktiven von Tanzen Inklusiv in Nordrhein-Westfalen e.V. haben Spaß an ihrem Sport – und das möchten sie auch zeigen. Ob bei einer Serie von Flashmobs in der Kölner Innenstadt, bei dem 80 Tänzerinnen und Tänzer einstudierte Gruppenchoreografien zeigen, oder bei einem sechsstündigen »Endlostanzprogramm« in einem großen Einkaufszentrum mit insgesamt 200 Mitwirkenden: »Man soll uns sehen«, bringt der erste Vorsitzende des Vereins, Udo Dumbeck, die Motivation hinter solchen öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf den Punkt. »Tanzen macht Spaß. Tanzen ist aber auch ein ausgezeichnetes Mittel, um die Möglichkeiten einer inklusiven Gesellschaft ganz unmittelbar sicht- und erfahrbar zu machen.«

Im Jahr 1993 unter dem Namen »RollstuhlTanzZentrum Bonn« gestartet leistete der Verein Pionierarbeit in Sachen inklusivem Tanz. Mittlerweile betreut er in Nordrhein-Westfalen zehn regionale Tanzgruppen für Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen und bringt jährlich in bis zu vier großen TanzIn-Veranstaltungen Menschen mit und ohne geistige oder körperliche Beeinträchtigung auf der Tanzfläche zusammen. Getanzt werden neben Gruppenchoreografien alle Tänze des Standard- und Lateinrepertoires, von Disco-Fox über Samba bis Walzer. Dabei passen professionelle und erfahrene Trainerinnen und Trainer die Schritte und Folgen an die Bedürfnisse der Tanzenden an, sodass gleichberechtigt getanzt wird, ohne dass der sportliche oder tänzerische Anspruch zu kurz kommt. Zudem trägt der Verein ein inklusives Wettkampfwesen für Menschen mit und ohne geistige Behinderung.

Bei Anlässen wie Messen, Stadt- und Vereinsfesten oder Flashmob-Aktionen präsentieren die Tänzerinnen und Tänzer ihr Können. Die Resonanz des Publikums ist durchweg positiv. Oft mit dabei: ein Info-Stand und eine aktive Öffentlichkeitsarbeit, für die es mit der Sonderpädagogin Monika Strotmann seit einiger Zeit eine Hauptverantwortliche gibt: »Unser Ziel ist es, dass sich möglichst viele Menschen mit gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe identifizieren und sich uns anschließen. Wir bespielen daher die sozialen Medien, streamen Videos, erstellen Podcasts und Fotostrecken, um klarzumachen: Wir leben Inklusion einfach.«

Alle Angebote und der Verein selbst sind inklusiv organisiert, auch der Vorstand des knapp 100 Mitglieder zählenden Vereins setzt sich aus Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Dabei bringen sich alle ihren Möglichkeiten und Interessen entsprechend ein. Im Einzelnen engagieren sich im Laufe eines Jahres etwa 70 Mitglieder und Freunde des Vereins, etwa als Gruppensprecherin, als ehrenamtlicher Trainer oder als Helferin bei Veranstaltungen und öffentlichen Präsentationen. Dass der Verein und die Vereinsarbeit heute von vielen Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen getragen werden, ist das Ergebnis langjähriger Bemühungen. »Die Menschen kommen ja erstmal nicht zu uns, um im erweiterten Vorstand mitzumachen – sondern um zu tanzen«, erklärt Udo Dumbeck. »Wenn sie aber erfahren, dass sie bei uns mitmachen und ihre Begeisterung fürs Tanzen ausleben können, fassen viele auch den Mut zu sagen, dass sie sich engagieren können. Beides ist schließlich eine Form von sozialer Teilhabe.«

Die Vereinsverantwortlichen machen sich für eine Kultur der Wertschätzung stark. Einmal im Jahr erhalten alle, die sich engagiert haben, ein Dankesschreiben mit den verschiedenen Aktionen, die sie mit ihrem Engagement unterstützt haben. Da wo Dinge gut funktionieren, wird das bei Tanzen Inklusiv zudem direkt ausgesprochen – egal ob im Plenum, in der kleinen Gruppe oder im persönlichen Gespräch. Neben der Anerkennung auch für kleine Hilfstätigkeiten ist aber auch das Feedback aller Beteiligten wichtig. In Abschlussgesprächen nach jeder Aktion und jeder Veranstaltung werden Ideen gesammelt, was man künftig noch besser machen kann. Dies alles führt neben dem Gelingen der einzelnen Projekte zu einem positiven Verhältnis der einzelnen Personen und einer kooperativen und angenehmen Zusammenarbeit, die gerne wiederholt wird.

Als der Flashmob in Köln nach einjähriger Vorbereitungszeit aufgrund des krankheitsbedingten Ausfalls der eigentlichen Projektleitung plötzlich auf der Kippe stand, fanden sich ganz kurzfristig fünf Personen, die in der Folge die wichtigsten Aufgaben wie zum Beispiel die Vor-Ort-Organisation oder Absprachen mit dem Ordnungsamt und der Polizei unter sich aufteilten. Dies zeigte dem Vereinsvorstand, der sich bewusst gegen die Absage der Aktion entschied, einmal mehr, welch schönen Dreiklang die Mitglieder und Freunde von Tanzen Inklusiv mittlerweile geschaffen haben. Hierzu gehört neben der Liebe zum Tanz und der Identifikation mit dem Verein und seinen Zielen auch die Bereitschaft zum Engagement für die gemeinsame Sache.

Kontakt und Ansprechpartner:
Tanzen Inklusiv in Nordrhein-Westfalen e.V.
Udo Dumbeck
1. Vorsitzender
Waldenburger Ring 44 (Geschäftsstelle: Oberottersbach 5)
Bonn (Geschäftsstelle: Eitorf)
Tel. (0177) 2 33 33 22
E-Mail: dumbeck[at]TanzenInklusiv.de
Web: www.TanzenInklusiv.de