Streuobst, Apfelwein und Orchideen: Naturschutz in bester Hanglage

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Naturschutz Siebengebirge: Traktor transportiert Naturschützer-Team

Streuobst, Apfelwein und Orchideen: Naturschutz in bester Hanglage

Engagement des Monats Oktober 2018

Engagementpreis NRW | Eine Bürgerinitiative setzt sich im Siebengebirge seit mehr als dreißig Jahren für den Erhalt eines einzigartigen Fleckchens Erde ein. Mit ihrer freiwilligen Arbeit leisten die zahlreichen Aktiven nicht nur einen wertvollen Beitrag zum Schutz der heimischen Flora und Fauna, sondern machen zugleich eine artenreiche Kulturlandschaft oberhalb des Rheins nachhaltig fit für das 21. Jahrhundert.

 

Wie viele Tonnen Obst er von seinen Bäumen und Büschen bislang gepflückt hat, weiß Ignaz Schmitz nicht so genau. Sicher ist, dass es seit 1985 wohl etliche Lastwagenladungen voll mit reifen Früchten gewesen sein werden. Denn solange sind Ignaz Schmitz und die von ihm gegründete Bürgerinitiative schon auf den mitunter steilen Hängen oberhalb von Oberdollendorf aktiv, eines kleinen Örtchens in der Nähe von Königswinter mit weniger als 6.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Das ehrenamtliche Engagement der etwa 220 Mitglieder starken Bürgerinitiative drückt sich in vielfältigen Aktivitäten aus. Sie kümmern sich tatkräftig und manchmal mit durchaus schwerem Gerät um die Rekultivierung und Pflege alter Streuobstwiesen, Weinbergsbrachen, Magerwiesen, Hecken und Wildobstbüschen. »Unsere Bürgerinitiative betreut vier Flächen mit einer Bodenfläche von 12 Hektar und einem Bestand von mehr als 150 Obstbäumen«, weist Ignaz Schmitz auf die beachtliche Größe des ihnen anvertrauten Geländes hin. Dabei folgen die ehrenamtlichen Gärtnerinnen und Gärtner auf einer Fläche so groß wie 16 Fußballfelder ganz bewusst dem jahreszeitlichen Rhythmus der Natur: Hecken, Bäume und Blumen neu pflanzen, Altbestände zurückschneiden, die Wiesen mähen, Nistkästen für Insekten und Vögel einrichten, den Kräutergarten pflegen, hin und wieder müssten auch »Sturmschäden beseitigt und die alten Weinbergs- und Trockenmauern instandgesetzt werden«, erläutert Ignaz Schmitz das vielfältige Aufgabenspektrum der Männer und Frauen der Bürgerinitiative.

Grundsätzlich böten »Streuobstwiesen als artenreicher Lebensraum nicht nur unzähligen Tier- und Pflanzenarten Nahrung und Rückzugsgebiete«, sondern stellten auch »ein Refugium für alte Obstsorten dar«, weist Schmitz auf das natürliche Erbe des Standortes hin. Zugleich fungiere das Oberdollendorfer Biotop immer auch als umweltpädagogischer Lernort, der generationenübergreifend immer wieder neu »Menschen zusammen bringt, die gleiche Interessen haben und sich für ein gemeinsames Ziel einsetzen wollen«, betont Ignaz Schmitz einen wichtigen Aspekt seiner naturnahen Arbeit.

Ein Höhepunkt des Jahres ist ohne Zweifel die Apfelernte, die zwar viel Arbeit macht, aber stets »mit viel Freude« angegangen wird, wie Schmitz aus langjähriger Erfahrung zu berichten weiß. Hier lernen insbesondere Kinder, »wie der Apfel in die Flasche kommt«, schmunzelt Schmitz. Je nach Ertrag werden die Früchte zu Apfelsaft und Apfelwein verarbeitet oder zu einem ganz besonderen Apfelbrand destilliert.

Der Zukunft seines seit vielen Jahren unter Naturschutz stehenden Reservats sieht Schmitz einigermaßen gelassen entgegen. Die Arbeit der vor Ort und in der Region umfassend vernetzten Initiative werde mittlerweile anerkannt und auch durch Politik, Verwaltung und Naturschutzbehörden unterstützt. »Wir wollen das vertraute Landschaftsbild unserer Heimat für nachfolgende Generationen erhalten«, sagt Ignaz Schmitz – und das dieses Ziel angesichts der Erfolgsgeschichte des Projekts realistisch ist, daran besteht kein Zweifel.       
 
Kontakt und Ansprechpartner
Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge e.V.
Ignaz Schmitz
Freyenberger Weg 12
53639 Königswinter
Web: www.naturschutz-siebengebirge.de
E-Mail: vorstand@naturschutz-siebengebirge.de

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