Stadtteilwohnzimmer für Neubeckum: mit neuem Schwung gegen den Stillstand

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Gespeichert von Björn Lappe am 3. Mai 2021
Eine Frau, ein Mädchen und ein Mann bauen eine Beeteinfassung aus Stöcken

Stadtteilwohnzimmer für Neubeckum: mit neuem Schwung gegen den Stillstand

Engagement des Monats Mai 2021

Engagementpreis NRW | Verve, das steht für »Schwung oder Begeisterung und für ein positives Lebensgefühl mit kreativer Leichtigkeit, vor allem bei künstlerischen Tätigkeiten« – und seit mehr als drei Jahren auch für die Belebung des Beckumer Ortsteils Neubeckum. Der Verein Verve! Gemeinschaft, Kultur & Schwung für Neubeckum e.V. bindet mit zahlreichen Aktionen die Nachbarschaft ein, um gemeinsam etwas gegen den gefühlten Stillstand im Stadtteil zu unternehmen. Momentan arbeitet das zehnköpfige Projektteam an der Neugestaltung eines ehemaligen Friseursalons zu einem »Stadtteilwohnzimmer«. Im Herzen der Ladenzeile soll ein Raum für Kunst und Kultur, für generationsübergreifende und interkulturelle Projekte, für ökologisch verantwortliches Handeln und kulinarischen Genuss entstehen.

 

Es gibt ein Sprichwort, das auch die Aktiven von Verve! immer mal wieder hören: »Das Gute an Neubeckum sind zwei Dinge: Der eigene Bahnhof und die Autobahnanbindung, damit man schnell von hier wegkommt.« Tatsächlich empfinden viele Anwohner/innen ihren Stadtteil mit leerstehenden Geschäften, eher lieblos gestalteten öffentlichen Plätzen und maroden Wahrzeichen als nicht sehr lebendig. »Man hört immer wieder, dass sich die Einwohnerinnen und Einwohner eher vernachlässigt fühlen. Diese Unzufriedenheit ist vielerorts spürbar«, schildert Amanda Bailey, Mitbegründerin und Erste Vorsitzende von Verve!, das verbreitete Lebensgefühl vor Ort. Dem begegnet der Verein bereits seit einiger Zeit mit Engagement für mehr Lebensqualität sowie mit der Stärkung des Gemeinschaftsgefüges und der lokalen Identifikation.
 

Im Jahr 2017 kamen sechs Neubeckumer Frauen zusammen mit dem Wunsch, sich gemeinschaftlich für die Belebung ihres rund 10.000 Einwohner/innen zählenden Stadtteils einzusetzen. Sie beteiligten sich an Veranstaltungen anderer Organisationen und boten in eigenen offenen Stadtteiltreffen Raum, über Wünsche der Anwohner/innen zu sprechen. »Es hat sich immer der gleiche Bedarf herauskristallisiert: mehr Zusammenhalt, weniger Grüppchenbildung, ein schöneres Stadtbild, ein lebendiges Kulturleben, ein gemütlicher kinderfreundlicher Ort, der zum Verweilen einlädt, grundsätzlich eine Verbesserung des Lebensgefühls«, resümiert Amanda Bailey die ersten Erkenntnisse der Initiative.

Ein wiederkehrendes Thema war der desolate Bahnhof. »Neben dem maroden Zustand des denkmalgeschützten Bauwerkes ärgerten sich viele Bahnreisende über die kaputten Aufzüge«, erinnert sich Bailey. Verve! organisierte kurzer Hand einen Termin mit der WDR-Lokalzeit, um auf diesen unhaltbaren Zustand aufmerksam zu machen und den Betroffenen eine Stimme zu geben. Eine darauffolgende »Pendleraktion«, bei der Reisenden ab sechs Uhr morgens an einem freundlich gestalteten Stand ein Frühstück mit Kaffee und selbstgemachtem Gebäck für den Weg angeboten wurde, zeigte deutlich auf, was an dem vernachlässigten Ort, an dem es weder Toilette noch Verpflegung gibt, fehlt.

Als der Bäckerei-Stand auf dem Neubeckumer Wochenmarkt von heute auf morgen ausfiel, war Verve! ebenfalls zur Stelle, um diese Lücke zu schließen und auf den Bedarf hinzuweisen. Die Engagierten liehen sich kurzerhand einen Wagen, statteten ihn mit einer Plexiglas-Scheibe und einer Theke aus, organisierten ein Gesundheitszeugnis und backten jeden Donnerstagabend für den Folgetag gemeinschaftlich für jeden bezahlbare Köstlichkeiten aus regionalen, biologischen Zutaten. Neben ihrem Marktstand stellten sie einen Pavillon mit Tischen und Stühlen auf und luden zum Gespräch bei Waffeln und Kaffee. Drei Monate ging das so, dann kam Corona.

Auch an der Verschönerung des Stadtbilds und der Gestaltung des öffentlichen Raums beteiligt sich Verve!. Bei einem kooperativen »Cleanup« wurde mit Jung und Alt säckeweise Müll von Straßen, Plätzen und Wiesen gesammelt. Bei einer weiteren Gemeinschaftsaktion bepflanzte Verve! in Bürgerbeteiligung Beete entlang der Hauptstraße auf bienenfreundliche Weise und gestaltete sie mit Naturmaterialien. Die Beete wurden mit Informationen auf Holzscheiben ausgestattet, um über pflegeleichte und zugleich ökologisch wertvolle Beetgestaltung aufzuklären. Zwei Tage lang konnten sich alle interessierten Anwohner/innen bei der Aktion »Neubeckum blüht auf« mit Schaufel, Hacke und Gießkanne beteiligen. Die Identifikation mit dem eigenen Wohnort sowie die Attraktivität der Innenstadt sollen mit Mitmach-Aktionen wie diesen gefördert werden.

Seit der Vereinsgründung im Sommer 2020 steht bei Verve! e.V. ein Großprojekt im Fokus der Vereinsarbeit: In einem partizipativen Prozess wird zusammen mit einer Architektin und vielen Helfer/innen ein Friseursalon zu einem »Stadtteilwohnzimmer« umgebaut. Erich Nordhues stellte dem Verein dafür (zunächst kostenlos) sein ehemaliges Ladenlokal in der Hauptstraße 37 zur Verfügung. Auf 70 qm soll ein Treffpunkt und Raum für Kultur, Engagement und Gemeinschaft entstehen. Geplant ist ein generations- und kulturübergreifendes Programm mit einem Café-Angebot und einer Kinderspielecke. Dabei steht die Bürgerbeteiligung im Vordergrund, es geht um die Ideen, Fähigkeiten und Kenntnisse der Menschen vor Ort. Das »Stadtteilwohnzimmer« soll wandelbar sein und den verschiedenen Themen und Interessen der Anwohner/innen und der Kooperationspartner aus dem Netzwerk des Vereins Raum bieten. Mit wechselnden Ausstellungen, Veranstaltungen und Workshops soll insbesondere das kulturelle Leben in Neubeckum in Schwung kommen.

Die Macher/innen von Verve! wünschen sich, dass das »Stadtteilwohnzimmer« ein Drehkreuz für gute Ideen wird und viele Akteure vor Ort in ihrem Engagement verbindet. »Auch in anderen Kommunen hat das Engagement von Initiativen mit einer Räumlichkeit schon die Strahlkraft für die Verwandlung eines ganzen Stadtteils entwickeln können«, blickt Amanda Bailey voraus. Einen lokalen Fassadenwettbewerb hat das »Stadtteilwohnzimmer«, vor dem ein multilingualer, öffentlicher Bücherschrank angebracht wurde, unterdessen bereits gewonnen. Der selbstgestaltete Außenbereich mit Bänken vor dem Lokal bietet Einwohner/innen schon jetzt eine Anlaufstelle, die häufig frequentiert wird. Bald kann der Raum für alle hoffentlich auch von innen belebt werden, so dass sich die ersehnte Aufbruchsstimmung in Neubeckum einstellt und man hier wieder gerne seine Zeit verbringen möchte.

Kontakt und Ansprechpartnerin:
Verve! Gemeinschaft, Kultur & Schwung für Neubeckum e.V.
Amanda Bailey
Erste Vorsitzende
Bismarckstraße 9
59269 Beckum
Tel. (0151) 65497992
E-Mail: info@verve-neubeckum.de
Web: www.verve-neubeckum.de
Facebook: facebook.com/VerveNeubeckum
Instagram: www.instagram.com/verve_neubeckum

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