Projekt Ankommen: Auf kurzen Wegen zur Integration

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Projekt Ankommen e.V. – Veranstaltung mit Geflüchteten

Projekt Ankommen: Auf kurzen Wegen zur Integration

Engagement des Monats Juli 2017

Engagementpreis NRW | Willkommen ist gut, Ankommen ist besser: Eine Dortmunder Initiative aus ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aller Altersklassen gibt Flüchtlingen Starthilfe bei ihren ersten Schritten in der größten Stadt des Ruhrgebiets. Im Vordergrund der Initiative aus Einheimischen und Geflüchteten steht dabei stets die Förderung von Selbstbestimmung und Integration.

 

Nach dem Willkommen folgt das Ankommen: Was sich im ersten Moment ganz einfach und ganz leicht liest, gestaltet sich für viele der in den letzten Jahren nach Dortmund gekommenen Flüchtlinge im Alltag weitaus schwieriger als erwartet. Wie schwierig dieses »Ankommen« in der gesellschaftlichen Praxis sein kann und wie gut unkomplizierte Unterstützung an dieser Stelle tut, weiß Nahid Farshi aus eigener Erfahrung: »Ich bin 1984 aus dem Iran als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen und war froh, dass mir jemand dabei geholfen hat, mich hier zurecht zu finden«, sagt die Vorsitzende der Dortmunder Initiative Projekt Ankommen über ihre Motivation, sich für geflüchtete Menschen in ihrer Stadt einzusetzen. Und so ist die Hilfe zur Selbsthilfe zu einem wichtigen Leitmotiv des Projekts avanciert, das sich seit dem Frühjahr 2015 als gemeinnütziger Verein mit mittlerweile mehr als 400 Mitgliedern – darunter viele Geflüchtete – in der Stadt im Ruhrgebiet organisiert.

Die Unterstützung des Vereins und seiner zahlreichen Helferinnen und Helfer beginnt schwerpunktmäßig dann, wenn die Geflüchteten aus der Notunterkunft in eigene Wohnungen ziehen. Dies folgt der Beobachtung, »dass es eine Versorgungslücke gibt, wenn Flüchtlinge die städtischen Unterkünfte verlassen. Umziehen, Ummelden, GEZ-Gebühren zahlen oder Stromanmelden – das ist für viele Flüchtlinge zunächst völlig fremd. Deshalb unterstützen wir sie nicht nur beim eigentlichen Umzug, sondern auch bei den Formalien drum herum«, wie Frau Farshi erklärt.

Diese Unterstützung in Alltagssituationen bildet bis heute ein wesentliches Fundament der Vereinsarbeit. Dabei wandelt sich die Arbeit der Initiative permanent: »Wir passen unsere Arbeit den Bedürfnissen der Geflüchteten an. Die Themen Bildung und Arbeit werden zunehmend in den Vordergrund unserer Vereinsarbeit rücken. Denn wir müssen der Mehrheit der Geflüchteten in unserer Stadt helfen, ihr Leben in Dortmund zu strukturieren«, erläutert Nahid Farshi. Ob Sprachförderung oder Frauentreff, ob Patenschaften oder Gesundheitsberatung: in kurzer Zeit haben sich viele unterschiedliche Angebote des Vereins entwickelt, die jedoch alle das Ziel haben, die geflüchteten Menschen in die Lage zu versetzen, ihr Leben in Dortmund in die eigenen Hände zu nehmen.

Das Projekt Ankommen e.V. stellt sich vor

Dazu hat der Verein Stadtteilgruppen aufgebaut, um vor Ort gezielter helfen zu können. »Die Dezentralisierung hat den Vorteil, dass Geflüchtete und Ehrenamtliche kurze Wege haben und die integrative Arbeit sich auf den Wohnort konzentrieren kann«, sagt Karina Meyer, die sich ebenfalls im Vorstand der Initiative engagiert. Die Geflüchteten »sollen sich in ihren neuen Stadtteilen schnell wohlfühlen und ankommen können, genauso sollen aber auch alteingessene Nachbarn keine Ängste und Sorgen wegen ihrer neuen Mitbewohner/innen haben«. Deshalb gehöre der Dialog mit allen Bürgerinnen und Bürgern Dortmunds zu einer Hauptaufgabe des Vereins, bekräftigt Frau Meyer. Inzwischen sei dessen offene Sprechstunde »ein fester Bestandteil und eine willkommene Anlaufstelle« für alle Menschen, die sich über die Arbeit des Vereins informieren wollen. Dabei erleben sich die Ehrenamtlichen des mehrfach ausgezeichneten Vereins trotz aller Unterschiede als eine »große, bunte Familie«, wie Karina Meyer nicht ohne Stolz sagt. Mit diesem gelebten Miteinander vor Ort trage der Verein im Kleinen zu einer »aufgeklärten und offenen Gesellschaft« bei, die es auch im Großen zu leben gelte.

Trotz aller Herausforderungen, die die Arbeit mit Geflüchteten mit sich bringt, zieht Karina Meyer dennoch ein durchweg positives Zwischenfazit der bisherigen Vereinsarbeit. Es tue einfach gut zu wissen, dass »Menschen durch unsere Arbeit nach so langer Zeit endlich zur Ruhe kommen können«. Und das ist ja nicht das Schlechteste, was sich nach zwei Jahren engagierter Arbeit sagen lässt.

Kontakt und Ansprechpartner
Projekt Ankommen e.V.
Karina Meyer
Heinrichstr. 1
44139 Dortmund
E-Mail: kontakt@projekt-ankommen.de
Web: www.projekt-ankommen.de

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