Paderborn-All-Inclusive: engagiert für eine Vereinswelt ohne Barrieren

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Gespeichert von Björn Lappe am 29. Juni 2021
Ein Mann steht mit Schläger am Abschlag auf einer Minigolfbahn, zwei Personen gehen im Hintergrund.

Paderborn-All-Inclusive: engagiert für eine Vereinswelt ohne Barrieren

Engagement des Monats Oktober 2021

Engagementpreis NRW | Aktiv sein, kreativ sein, gemeinsam etwas voranbringen: Viele Menschen schätzen die gemeinsame Betätigung und das soziale Miteinander in ihrem Verein. Doch Menschen mit Behinderung sind bei den regulären Freizeitaktivitäten von Vereinen immer noch nicht selbstverständlich dabei. Oft gibt es Vorbehalte oder es herrscht Unwissenheit und Unentschlossenheit bei den Beteiligten. Der Verein Freizeit ohne Barrieren e.V. möchte mit seiner Initiative »Paderborn-All-Inclusive« daran etwas ändern. Die Engagierten beraten einerseits die Vereine bei der inklusiven Gestaltung ihrer Angebote und unterstützen andererseits Menschen mit Behinderung bei der Suche nach einem neuen Hobby.

 

Die Vereinslandschaft in Paderborn ist bunt und vielfältig. Ob Sportvereine, Musikvereine oder die in Ostwestfalen sehr präsenten Schützen – es gibt eine Menge attraktiver Angebote in der Stadt. Durch Gespräche mit Vereinen der Behindertenpflege und Menschen mit einer psychischen oder körperlichen Beeinträchtigung wurde den Engagierten von Freizeit ohne Barrieren e.V. jedoch schnell deutlich, dass reguläre Vereinsangebote nicht für alle ohne Weiteres zugänglich sind. Dabei sind Vereine eigentlich prädestiniert dafür, ganz unterschiedliche Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Milieu mit ihren jeweiligen Voraussetzungen und Bedürfnissen ganz selbstverständlich zusammenzubringen und buchstäblich zu vereinen. Immer wieder wird auf diese große Integrationskraft der Vereinslandschaft zurecht hingewiesen.
 

Für die Aktiven des Vereins Freizeit ohne Barrieren e.V., der seit 2010 ehrenamtliche Reisebegleitungen für Menschen mit Behinderung organisiert, stand daher fest: »Es muss ein Weg gefunden werden, dass sich Menschen mit einer Behinderung und Vereine der Freizeitgestaltung einander annähern. Wir möchten zeigen, dass Inklusion funktioniert.« Also initiierte der Verein »Paderborn-All-Inclusive« (PAI). Ein Team aus zwei Hauptamtlichen und rund 20 ehrenamtlichen Aktiven berät seit 2019 Vereine und Menschen, die sich Unterstützung bei der Aufnahme einer aktiven Freizeitgestaltung wünschen. Die Initiative macht mit Miniprojekten und regelmäßiger Öffentlichkeitsarbeit auf ihr Anliegen aufmerksam und bringt kommunale Akteure, Vereine und Organisationen der Behindertenhilfe an einem Tisch.

Ein wichtiger Teil des Projekts ist die individuelle Beratung: Ehrenamtliche Pat/innen tauschen sich mit Gehandicapten aus, die auf der Suche nach einer neuen Freizeitaktivität sind. Während die einen klare Vorstellungen von ihrem Wunschhobby haben, suchen die anderen eher unkonkret nach einer Betätigung. »Wir schauen genau auf die Bedürfnisse der Menschen, die uns kontaktieren und überlegen gemeinsam, was das Richtige ist. Zu uns kam einmal eine Frau, die für ihr Leben gerne sang. Weil sie sich aber scheute, dies vor anderen zu tun, suchte sie stattdessen einen Sportverein. Wir haben sie bestärkt, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Heute ist sie festes Mitglied in einem Chor. Ein junger Mann dagegen war zunächst fest entschlossen, einem Fußball-Fanclub beizutreten. Mit unserer Beratung hat er schließlich in einem Spieleverein genau den richtigen Ort für das gesellige Miteinander gefunden, das er gesucht hat«, beschreibt Annamarie Hermsdorff, eine der Projektkoordinator/innen, zwei Fälle, die dem Team in Erinnerung bleiben. Die Pat/innen unterstützen ihre »Klient/innen« auch bei der Kontaktaufnahme zum Verein und begleiten sie zu ersten Treffen. In Wohneinrichtungen für Behinderte informiert die Initiative regelmäßig über das Angebot.

Auch die Vereine der Freizeitgestaltung werden unterstützt: Ehrenamtliche Berater/innen von »Paderborn-All-Inclusive« geben in externen Schulungen für Übungsleiter/innen, Helfer/innen und Betreuer/innen konkrete Hinweise, wie die jeweiligen Vereinsangebote inklusiver gestaltet werden können. »Die meisten Paderborner Vereine zeigen grundsätzlich eine große Bereitschaft, Menschen mit einer Behinderung aufzunehmen. Wir verdeutlichen den Engagierten im Verein, was Barrieren sein können und welche speziellen Bedürfnisse möglicherweise bei potentiellen Vereinsmitgliedern bestehen. 80 Prozent der Barrieren fallen schon weg, wenn man sich als Verein auf das Thema einlässt und seinen Horizont ein wenig erweitert«, fasst Annamarie Hermsdorff die praktische Hilfe durch PAI zusammen. Pro Schulungstermin sind zwischen 25 und 35 ehrenamtliche Helfer/innen aus Paderborner Vereinen dabei. In der Corona-Zeit wurden auch Online-Beratungsformate entwickelt, die künftig weiter ausgebaut werden sollen.

Die bisherige Bilanz lässt sich sehen: Mittlerweile konnten rund 100 Paderborner Vereine und Organisationen dafür gewonnen werden, ihre Angebote für Menschen mit Behinderung zu öffnen. Über 75 Personen sind bislang allein über die Initiative in Vereine vermittelt worden. In den Monaten der Pandemie ist eine lange Warteliste entstanden, die infolge der Öffnungsschritte in der Vereinslandschaft ab Juni 2021 abgearbeitet wird. Zudem hat PAI die Bildung eines neuen Netzwerks vorangetrieben: Hier sind die etwa 100 Vereine der Freizeitgestaltung mit Vereinen der Behindertenhilfe verbunden und tauschen sich auf verschiedenen Plattformen über die Gestaltung von inklusiven Angeboten aus. Das Netzwerk wird von der Koordinierungsstelle von »Paderborn-All-Inclusive« eng begleitet.

Nach einer dreijährigen Startphase möchten die Aktiven ihre Initiative künftig weiter in die Fläche bringen. »Die Vereinslandschaft in Paderborn ist einfach so groß: Natürlich sollen sich möglichst noch mehr Vereine öffentlich zu einer inklusiven Arbeit bekennen. Und wir möchten helfen, dass diese Angebote dann auch wahrgenommen werden. Aber darüber hinaus möchten wir nun auch das Konzept von ›Paderborn-all-inclusive‹ und unsere Erfahrungen an andere Orte weitergeben«, blickt Annamarie Hermsdorff voraus. Mit Akteuren in Erlangen und Rostock hat das Projektteam bereits einen solchen Transfer vereinbart, weitere Orte in Ostwestfalen-Lippe und ganz NRW – vom Dorf bis zur Großstadt – sollen folgen.

Kontakt und Ansprechpartnerin:
Freizeit ohne Barrieren e. V.
Annamarie Hermsdorff
Projektleitung
Bleichstraße 39a
33102 Paderborn
Tel. (05251) 41 41 280
E-Mail: kontakt@paderborn-all-inclusive.de
Web: https://paderborn-all-inclusive.de
Facebook: https://www.facebook.com/paderbornallinclusive

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