Nicht alleine lassen: Patientenbegleitung in Gladbeck

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Gespeichert von Eva-Maria Antz am 3. Mai 2021
Eine Fraun neben einer zweiten Frau auf Elektroscooter stehen vor dem Gebäude der Begegnungsstätte

Nicht alleine lassen: Patientenbegleitung in Gladbeck

Engagement des Monats November 2021

Engagementpreis NRW | Ein Krankenhausaufenthalt ist für viele alleinlebende Menschen eine große Verunsicherung oder Überforderung. Die Ehrenamtlichen der Patientenbegleitung Gladbeck kümmern sich wie gute Nachbarn um solche Menschen. Damit leistet die Patientenbegleitung einen Beitrag dazu, dass auch alte Menschen mit einer solchen nachbarschaftlichen Unterstützung länger in ihrer Wohnung und im Quartier leben können.

 

Einen Krankenhausaufenthalt zu bewältigen, fordert jeden Einzelnen. In einer immer älter werdenden Gesellschaft, in der zudem die eigene Familie nicht mehr unbedingt in der gleichen Stadt wohnt, kann so ein Krankenhausaufenthalt leicht zur Überforderung werden. In dieser Situation sind nachbarschaftliche Strukturen umso wichtiger.

Mit emotionalem Beistand und dem Angebot ganz praktischer Hilfen werden die Patientenbegleiter/innen in Gladbeck aktiv. Sie packen die Krankenhaustasche, begleiten die Patient/innen bei der Krankenhausaufnahme und kümmern sich während des Aufenthaltes um die/den Betroffenen und die Wohnung. Dabei sind sie auf Wunsch der Patient/innen auch bei Arztgesprächen anwesend oder hören dem Patienten an seinem Krankenbett einfach zu.

Achim Rodewald, Patientenbegleiter: »Das Vertrauen, das die Menschen in uns setzen, wenn sie ansonsten allein auf sich gestellt wären und die Dankbarkeit sind Motivation genug. Es macht Freude, zu helfen, wo ich kann und auch ich lerne ja durch die Begegnungen enorm viel dazu.«

Nach dem Krankenhausaufenthalt sorgen die Patientenbegleiter/innen auch für Unterstützung, damit der Weg in die Häuslichkeit gut vorbereitet ist und begleiten die Person bis zum Wiedereinstieg in die Nachbarschaft. Bei vorübergehender eingeschränkter Mobilität begleiten die Patientenbegleiter/innen auch zu ambulanten Untersuchungen oder zu vor- und nachstationären Behandlungen ins Krankenhaus.

Orientiert an den Bitten der Patient/innen um weitere Hilfen der Entlastung wurde in Gladbeck das Projekt weiterentwickelt. Nun können die Patientenbegleiter/innen unentgeltlich auch gelegentliche Dienstleistungen in der Häuslichkeit anbieten, z. B. in der Phase nach dem Krankenaufenthalt oder bei Immobilität für die Hilfebedürftigen einkaufen oder sie zum Arzt begleiten. Auch in Bereichen Hausnotruf, Essen auf Rädern, Patientenverfügung, ambulante Versorgung, Hospiz oder Seelsorge stehen die Begleiter/innen beratend zur Seite. Viele Patient/innen nutzen das nachbarschaftliche Angebot der Kontaktaufnahme auch, wenn sich ihr Gesundheitszustand verändert hat, um weitere Hilfe erhalten zu können. Diese Unterstützung wird so lange angeboten, bis die Menschen wieder in alte oder neue Versorgungsstrukturen eingebunden sind.

Erfolgreich geschult und zertifiziert wurden bislang 22 Patientenbegleiter/Innen, wobei einige durch ihre Erfahrungen im Ehrenamt Anschluss an den ersten Arbeitsmarkt fanden. Versorgt werden aktuell 80 Patient/innen. Das Konzept wurde 2014 gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Geragogik entwickelt. Schnell fanden sich Kooperationspartner und interessierte Menschen, die sich zu Patientenbegleiter/innen qualifizieren ließen. Oft sind es Menschen in der nachberuflichen Phase, die aus den verschiedensten Berufsfeldern kommen. Durch die intensive und einjährige Grundlagenschulung lernen die Patientenbegleiter/innen die gesundheitlichen, pflegerischen und sozialen Versorgungsangebote und Strukturen vor Ort kennen und können vorhandene Versorgungsnetze nutzen.

Die Trägerschaft für das Projekt liegt bei der AWO, eine hauptamtliche und eine ehrenamtliche Projektkoordinatorin kümmern sich um die Koordination zwischen Patient/innen und Begleiter/innen, die Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit den lokalen Wohlfahrtsverbänden, dem Seniorenbeirat, dem örtlichen Krankenhaus, der Stadt und vielen Organisationen. Durch diese Vernetzung ist das Angebot der Patientenbegleiter/innen in Gladbeck, einem der 10 Orte im Kreis Recklinghausen, mittlerweile stadtbekannt. Alleinlebende Menschen können sich so auch schon vor einem Krankenhausaufenthalt melden. Lernen sich Patient/innen und Begleiter/innen schon vorher persönlich kennen, entsteht Vertrauen. Eine vertrauensvolle Beziehung ist letztendlich die Grundlage für eine gute Patientenbegleitung.

Die AWO übernimmt die Grundausbildung und die monatlichen Treffen. Dabei werden Themen behandelt, die zur Begleitung zwingend notwendig sind: vom Aktiven Zuhören, Begleitungskompetenz, Umgang mit Erkrankungen im Alter wie Demenz und Depression bis zu Datenschutz. Oder es werden Einrichtungen der Netzwerkpartner wie Hospiz, DRK, Hausnotruf besucht. Durch die intensive und wertschätzende Begleitung ist in der Gruppe der Patientenbegleiter/innen ein enger Zusammenhalt entstanden.

Als Mitglied des Netzwerkes Patientenbegleitung NRW wünschen sich die Patientenbegleiter/innen eine Verdichtung des im Aufbau befindlichen Netzwerkes »Patientenbegleitung in NRW«. Dort sind mehrere Städte im Ruhrgebiet wie auch einzelne andere Städte in einem regelmäßigen Austausch. Damit verbunden ist aber auch die Zielsetzung, Patient/innen bei der Verlegung in ein Krankenhaus einer anderen Stadt, in die Obhut einer dort agierenden nachbarschaftlichen Patientenbegleitung übergeben zu können.

Kontakt und Ansprechpartnerin:
Arbeiterwohlfahrt Unterbezirk
Münsterland-Recklinghausen
Martina Waldner
Abteilungsleitung
Dorstener Straße 11
45966 Gladbeck
Tel.: (02043) 983713
E-Mail: m.waldner@awo-msl-re.de
Web: https://www.awo-msl-re.de

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