Mutter Erde für Integration: Ein tausendschöner Garten in Minden

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Gespeichert von Tim Strehlau am 24. November 2016
Gemeinschaftsgarten Minden

Mutter Erde für Integration: Ein tausendschöner Garten in Minden

Engagement des Monats Dezember 2016

Engagementpreis NRW | Vögelzwitschern und summende Bienen, knackiges Obst und frisches Gemüse: in einem interkulturellen Gemeinschaftsgarten in Minden fällt bürgerschaftliches Engagement auf fruchtbaren Boden. An der Schnittstelle zwischen gemeinschaftlichem Naturerlebnis, gelebtem Umweltschutz und gesellschaftlicher Teilhabe setzen sich die Aktiven für ein nachhaltiges Miteinander von Menschen aus allen sozialen und kulturellen Schichten ein.

 

Allein schon der Name: sobald vom Mindener Gemeinschaftsgarten »Tausendschön« die Rede ist, entstehen augenblicklich quietschbunte Bilder im Kopf. Doch mit verwunschenen Feen, heimeliger Gartenidylle und märchenhaften Gartenzwergen hat das Projekt – wenn überhaupt – nur am Rande zu tun. Vielmehr stehen auf der 1.600 qm großen Fläche des Gartens zwischen Hühnern und Ziegen das interkulturelle Miteinander, die demokratische Selbstorganisation und die Wertschätzung guten Lebens im Mittelpunkt des Angebots des gemeinnützigen Mindener Vereins »GreenFairPlanet«.

Ziel des rein ehrenamtlich betriebenen Gartens im Mindener Stadtteil Leten ist es, Menschen »durch Erleben und Erfahren das nachhaltige Denken und Handeln zu vermitteln und so spielerisch Verhaltensmuster zu ändern und Kompetenzen zu schulen«, so fasst Elisabeth Schmelzer, eine der Initiator/innen des Projekts, die Motive zusammen, die zur Gründung des Gemeinschaftsgartens im Jahr 2015 geführt haben. Gemeinschaftsgärten böten zudem als »Orte der Begegnung und des Lernens« vielfältige Anknüpfungspunkte für ein gemeinsames Handeln von Einheimischen und Geflüchteten, sie verbinden »Menschen aller Kulturen« und seien »gelebte Inklusion«. Diese Vielfalt mache ihren Verein bunt, und darauf ist Elisabeth Schmelzer ein wenig stolz.

Und so gärtnern in der mit etwa 82.000 Einwohner/innen viertgrößten Stadt Ostwestfalen-Lippes seit einiger Zeit Einheimische und Zugereiste zusammen mit Geflüchteten, bauen Obst und Gemüse an und kümmern sich tatkräftig um den Artenschutz und die biologische Vielfalt vor Ort. Die Ideen für weitere Aktivitäten gehen dabei nicht aus: so ist für die nahe Zukunft beispielsweise geplant, ein Gartenorchester unter professioneller Anleitung aufzubauen.

Ich lerne von Flüchtlingen und sie lernen von mir. Wir sind echte Freunde geworden.

Klaus, 22 (Gemeinschaftsgärtner)

Dass auf diesem fruchtbaren Nährboden auch Integration gelingt, verwundert da kaum. Denn viele Migrantinnen und Migranten bringen eigene Erfahrungen in Gartenwirtschaft und Handwerk mit, ebenso wie soziale Kompetenzen. Der Garten sei »eine wichtige Integrationshilfe« und eine Brücke in die Mehrheitsgesellschaft, führt Elisabeth Schmelzer weiter aus. Integration bedeute aber auch, dass die Geflüchteten aktiv daran mitarbeiten müssen. So sei es eine verbindliche Regel, dass im Garten nur Deutsch gesprochen werde. Das gewachsene »freundschaftliche Miteinander« schaffe Vertrauen, Toleranz und gegenseitige Wertschätzung, von der auch diejenigen Menschen profitierten, die schon lange in Minden heimisch sind. So wie der 18 Jahre alte Daniel, der regelmäßig im Garten mithilft. Er sagt: »Flüchtlinge sind ganz anders als mir erzählt wurde, sie sind nett und hilfsbereit. Was sie mir erzählen über sich und ihre Flucht, erzähle ich denen, die keine Flüchtlinge wollen«. Sein Freund Klaus, 22, stimmt ihm zu: »Ich lerne von Flüchtlingen und sie lernen von mir. Wir sind echte Freunde geworden«. Ghassan, 39, ist mit seiner Familie aus Syrien nach Minden gekommen, auch er schwärmt von der besonderen Atmosphäre: »Wir haben viel Spaß. Alle dürfen machen, was sie können und alle lernen voneinander, was sie nicht können. Jeder hilft anderen. Meine Frau und meine Kinder sind hier glücklich«. Auch Muntaha ist glücklich. Die junge Syrerin meint, der Garten habe ihr das Lachen zurückgebracht. Für sie ist der Garten schlicht »ein Paradies«.

Aus Fremden werden Freunde: das Motto des Projekts macht Mut, den nicht immer einfachen Weg der Integration gemeinsam zu gehen.

Kontakt und Ansprechpartnerin
Elisabeth Schmelzer
GreenFairPlanet e.V.
Blücherstr.1
32423 Minden
Tel: (05 71) 93 41 57 07
Mail: info@greenfairplanet.net
Web: http://greenfairplanet.net/

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