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Auf einer Festwiese, die von einem Essensstand und mehreren Zelten sowie Bäumen umringt ist, tanzen Frauen mit lachenden Gesichtern.

Kulturkantine Oberberg: Freiraum für kreatives Engagement

Engagement des Monats Oktober 2022

Engagementpreis NRW | Der Verein Kulturkantine Oberberg e. V. bietet in der warmen Jahreszeit auf einem Naturgelände in Reichshof–Eckenhagen ein vielfältiges Kultur- und Freizeitprogramm, das mit viel ehrenamtlichem Engagement und einem großen Netzwerk an Kooperationspartnern realisiert wird. Mit der Anschaffung und Instandsetzung eines ausrangierten Linienbusses als wetterunabhängigem Ort für Kunst und Kultur soll vornehmlich die Jugend angesprochen und ein Generationenwechsel unter den Engagierten unterstützt werden.

Was mit dem Erwerb und dem Umbau eines ehemaligen Kantinenfahrzeugs zu Bewirtungszwecken startete, hat sich mit den Jahren zu einem festen Baustein des kulturellen Lebens im Oberbergischen weiterentwickelt. Im Jahr 2013 hatten drei Freunde die Idee, das wunderschöne Naturgelände am Wanderwagenplatz im Kurort Reichshof-Eckenhagen – damals ein verwaister und rückgebauter Spielplatz – durch kulturelle Aktionen zu beleben. »Wir haben nach der Verpachtung durch die Gemeinde schnell ein erstes Konzert auf die Beine gestellt. Es folgten ein Poetry-Slam-Wettbewerb für oberbergische Schulen und weitere Veranstaltungen wie unserer jährlicher ›Flowmarkt‹, der mit vielen Mitmachaktionen von Kreativen aus der Region gespickt ist«, erinnert sich Alexander Büscher, der zu den drei Ideengebern zählt, an die Anfänge. Heute ist die Kulturkantine Oberberg ein Forum für regionale Kunstschaffende und ein beliebter Treffpunkt für Kulturinteressierte, die bei Ausstellungen, Lesungen, Workshops oder Theateraufführungen das Ambiente mitten im Grünen genießen.

In den ersten Jahren trugen einige wenige Einzelpersonen einen immensen organisatorischen Aufwand. Als die Besucherzahlen aber stiegen und auch schlechte Wettervorhersagen den Publikumszuspruch nicht schmälern konnten, kamen gleichzeitig immer mehr Menschen auf die Organisatoren zu, die das Projekt tatkräftig unterstützen wollten. Dies war die Initialzündung für die Gründung des Vereins im Jahr 2017. »Hier zeigte sich, dass der Erfolg Engagierte bindet«, erklärt sich Alexander Büscher, der heute Vorsitzender des Vereins mit rund 50 Mitgliedern ist, den stetigen Zuwachs an Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus dem gesamten Kreisgebiet.

Bis zu zwanzig Personen engagieren sich mittlerweile in der Open-Air-Saison von Mai bis September alljährlich für die Kulturkantine Oberberg. Sie planen das Programm, bauen Zelte und die Bestuhlung auf, verkabeln die Bühne oder kümmern sich im Kochteam um das leibliche Wohl der Gäste. Immer wieder fordert es den Engagierten einiges an Kreativität ab, auf dem Gelände für die unterschiedlichen Veranstaltungen attraktive räumliche Möglichkeiten zu schaffen, die zum einen wegen fehlendem Baurecht mobil bleiben müssen und zum anderen eine gewisse Wetterunabhängigkeit gewährleisten.

Da kam die Gelegenheit, einen ausrangierten Linienbus zu kaufen, gerade recht. Mit der Bespielung des Busses, der mit viel Hingabe als »Linie Eins« zu einer weiteren Kulturstätte auf dem Gelände umgebaut wurde, schuf der Verein ein Projekt, in dem sich vornehmlich jüngere Menschen einbringen können. Denn noch ist die jüngere Altersgruppe bei den Vereinsaktivitäten unterrepräsentiert. Der Plan ging auf: Jugendliche und junge Erwachsene aus der Region – unter ihnen auch »Heimkehrer«, die in größeren NRW-Städten wie Köln studieren – bewerkstelligten mit großer Freude die Renovierungsarbeiten, bauten Möbel und brachten sich in die Planung des zukünftigen Programms ein. Vor und in der Pandemie stellten sie in Eigenregie mehrere gut besuchte Tanzveranstaltungen mit DJs auf die Beine.

Im Dezember 2021 dann der Schock: Bus und Inventar wurden mutwillig zerstört und an eine weitere Nutzung als Veranstaltungsraum war nicht zu denken. Überwältigt vom Erfolg einer Spendensammelaktion, die in kürzester Zeit das Geld für eine Instandsetzung der »Linie Eins« einbrachte, mussten die Vereinsverantwortlichen schließlich dennoch feststellen, dass der Bus ein Fall für die Schrottpresse ist. »Wir werden nun mit den Mitteln einen neuen Bus anschaffen und mit den Jugendlichen gestalten«, blickt Alexander Büscher voraus. »Die ›Linie Eins‹ ist ein Zukunftsprojekt, mit dem wir im Verein einen Generationswechsel forcieren möchten, der sich auch bei den weiteren Aktivitäten der Kulturkantine Oberberg zeigen soll. Einige der jungen Engagierten, bei denen wir zunächst gar keine Affinität zur Vereinstätigkeit vermutet hätten, sind zu unserer großen Freude mittlerweile Mitglied der Kulturkantine Oberberg.« Die Jugend soll entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten für ihre inhaltlichen und konzeptionellen Vorstellungen erhalten, im Verein wird für Offenheit gegenüber neuen Formaten geworben. Die Kulturkantine Oberberg soll sich weiter als ein Freiraum für kulturelles Schaffen im Oberbergischen etablieren.

Das passt gut zum bisherigen Weg des Vereins, einerseits hohe künstlerische Ansprüche zu integrieren, Kleinkunst und Subkultur zu fördern und dabei andererseits vor Ort mit den traditionellen Vereinsformen verbunden zu bleiben und Kontakte zu knüpfen. Die Kulturkantine Oberberg ist nicht nur Mitglied in der lokalen Vereinsgemeinschaft und unterstützt Arbeitsprojekte wie den Bau von Gemeinschaftsgärten, sondern sie kooperiert auch in vielfältigen Formaten z.B. mit dem Affen- und Vogelpark in Eckenhagen, dem örtlichen Jugendzentrum oder der benachbarten Minigolfanlage. Sinnbildlich für diese verbindende Herangehensweise steht die Erstellung eines Jahreskalender, der unter dem Motto »Typisch Oberberger?« Menschen aus der Region mit hohem künstlerischem Wert portraitiert und mit dem der Verein seit 2021 einen eher unkonventionellen Weg der »Heimatpflege« eingeschlagen hat.

Für die die Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne geht in Eckenhagen regelmäßig der Hut durch die Reihen. Der Lohn für die Mitglieder der Kulturkantine Oberberg liegt in dem Wissen, ein ambitioniertes Vorhaben und Herzensprojekt mit großem Einsatz auf Dauer im ländlich geprägten Raum etabliert und viele Menschen, die in der Regel nur selten in organisierten Vereinsformen zu finden sind, für ein aktives Engagement gewonnen zu haben.

Kontakt und Ansprechpartner:
Kulturkantine Oberberg e. V.
Alexander Büscher
Vereinsvorsitzender
Barbarossastr.9
51580 Reichshof-Eckenhagen
Tel. (0160) 2737240
E-Mail: a.buescher[at]gmx.de
Web: www.kulturkantine-oberberg.de