Jede Blüte zählt: Ein Dorf deckt Bienen den Tisch

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Gespeichert von Tim Strehlau am 31. Mai 2017
Biene und Blüte vor blauem Himmel

Jede Blüte zählt: Ein Dorf deckt Bienen den Tisch

Engagement des Monats Juni 2017

Engagementpreis NRW | Ein nachhaltiges Rettungsprogramm der besonderen Art haben engagierte Naturschützerinnen und Naturschützer im Bergischen Land aufgelegt: im Mittelpunkt des generationenübergreifenden Projekts einer ganzen Dorfgemeinschaft stehen jedoch weder Geld noch Kredite, sondern Bienen, Blumen und bunte Blüten.

 

Wie viele Bienen es in Deutschland gibt, weiß Michael Melchior nicht. Dass es immer weniger werden, weiß er aus eigener Beobachtung dagegen ganz genau. Michael Melchior ist einer der Initiatoren eines Projekts, das mitten im Bergischen Land dafür sorgt, hungrigen Bienen und artverwandten Brummern den Tisch zu decken. Denn dass Insekten wichtig für den Erhalt der heimischen Flora und Fauna sind und insbesondere das Verschwinden der Bienen dramatische Folgen für unsere Lebensweise hätte, steht außer Frage.

Michael Melchior erklärt, dass Bienen und andere Insekten bei rund 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle spielen. Ohne Bienen gäbe es nicht nur keinen Honig, auch Obst und Gemüse würden zu Luxusgütern – die schwarz-gelb gemusterten Tierchen bestäuben rund 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen. Das Verschwinden der Bienen ist ursächlich verknüpft mit der fortschreitenden Industrialisierung der Landwirtschaft und dem Anbau von Monokulturen, weiß Michael Melchior: »Die Monokulturen haben vor allem für die Insekten verheerende Folgen. Uns geht es deshalb längst nicht mehr nur um die Bienen, alle Insekten leiden unter den Monokulturen. In den letzten 40 Jahren sind 80% unserer Insekten verschwunden.«

Vor diesem Hintergrund hat sich Michael Melchior im Jahr 2015 dazu entschlossen, vor seiner Haustür einen lokalen Beitrag zum globalen Umwelt- und Naturschutz zu leisten. Und so startete er gemeinsam mit weiteren Unterstützer/innen aus der etwa 3.000 Einwohnerinnen und Einwohner umfassenden Dorfgemeinschaft Oberodenthal das Projekt »Jede Blüte zählt«. Ob am Ackerrand, auf der Streuobstwiese oder im heimischen Garten: Bienen und Insekten den Tisch zu decken, kann an ganz unterschiedlichen Orten passieren. Deshalb ist es für die engagierten Männer und Frauen der Dorfgemeinschaft das Ziel, die durch Wälder, Landwirtschaftsflächen und privates Grün geprägte Oberodenthaler Landschaft wieder vielfältiger zu machen, um dadurch Insekten noch bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen und die Artenvielfalt vor Ort zu stärken.

Dazu war es wichtig, in einem ersten Schritt die gesamte Bevölkerung des etwa 900 Haushalte zählenden Dorfes im Rheinisch-Bergischen-Kreis im übertragenen Sinne »mitzunehmen« und für das Thema »zu sensibilisieren«. Das war am Anfang gar nicht so leicht, wie sich Michael Melchior erinnert. Obwohl es – neben gemeindeeigenem Grund – insbesondere um kleine, sich zumeist in privatem Besitz befindende Flächen ging, die beispielsweise für einen geplanten Blüten-Rundweg benötigt werden, war es nötig, vorhandene Skepsis zu überwinden und um Verständnis zu werben. Als Türöffner diente der Initiative eine eigens für das Projekt entwickelte Wildblütenmischung, die die Aktiven in Form von kleinen Samentütchen allen Haushalten zur Verfügung stellten und die auf große Resonanz stieß, wie Michael Melchior rückblickend erzählt.

Mittlerweile wird das allein von den Bürgerinnen und Bürgern getragene Projekt mit seinen verschiedenen Angeboten gut angenommen, eine Kerngruppe von etwa 10 Personen koordiniert ehrenamtlich die Umsetzung der einzelnen Projektbausteine, sei es die bunte Bepflanzung der Straßenränder, der Bau von Nisthilfen für Wildbienen und Insekten oder das Anlegen eines Mustergartens mit Schulkindern und deren Eltern.  

Zugleich stößt das gut vernetzte Projekt schon nach kurzer Zeit des Bestehens auf reges Interesse in anderen Gemeinden der Region, auch Schulen und Kindergärten wollen Teil des sich formierenden Netzwerks zum Schutz der Bienen und Insekten sein. Das wiederum freut Michael Melchior, denn Nachahmer und Mitstreiter seien »ausdrücklich erwünscht«. Und so verwundert es nicht, dass der Projektleiter nach zwei Jahren engagierter Arbeit und vielen begeisterten Rückmeldungen zufrieden auf die bisherigen Ergebnisse des Projekts blickt. Für die Zukunft wünscht er sich deshalb nichts weiter, als dass die Menschen in Oberodenthal »stolz sind auf ihre lebendige Umwelt und Natur« – an farbenfroh blühenden Wiesen und summenden Insekten wird es der Dorfgemeinschaft bis dahin jedenfalls nicht fehlen. 

Kontakt und Ansprechpartner
Dorfgemeinschaft Oberodenthal e.V.
Jede Blüte zählt - Ein Dorf deckt den Bienen den Tisch
Herr Michael Melchior
Projektleitung
Weidenröschenweg 6
51519 Odenthal
Tel. (0 22 07) 70 39 19
E-Mail: mimelchior@web.de
Web: www.oberodenthal.de

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