Integration? Läuft! – Ein Lauftreff für Flüchtlinge in Duisburg

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Gespeichert von Tim Strehlau am 31. März 2016
Lauftreff für Flüchtlinge in Duisburg

Integration? Läuft! – Ein Lauftreff für Flüchtlinge in Duisburg

Engagement des Monats April 2016

Engagementpreis NRW | Dass Sport Menschen verschiedener Kulturen und Länder verbindet, ist eine Binsenweisheit. Ein Beispiel aus Duisburg zeigt jetzt, wie viel integrative Kraft in diesem Spruch heute noch stecken kann. Im Stadtteil Neumühl treffen sich Flüchtlinge regelmäßig unter Anleitung eines sportbegeisterten katholischen Priesters, um im wahrsten Sinne des Wortes fit für ihr neues Leben in Deutschland zu werden. Ein gemeinsames Ziel: mit jedem zurückgelegten Kilometer möglichst viele Spenden für bedürftige Menschen in Duisburg zu sammeln.

 

Gelingende Integration ist keine Sprintstrecke, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Marathonlauf: Diese Analogie liegt nahe, wenn man sich dem Projekt »LebensWert« von Pater Tobias nähert. Ursprünglich im Jahr 2007 als karitatives Selbsthilfe-Projekt für bedürftige Duisburger Bürgerinnen und Bürger gestartet, hat sich die Arbeit der Initiative angesichts der aktuellen Zuwanderung zu einem Projekt weiterentwickelt, das seinen Fokus auch auf die Integration von geflüchteten Menschen in Duisburg richtet.

Wie viele andere Kommunen in NRW auch ist Duisburg – mit seinen mehr als 485.000 Einwohnerinnen und Einwohnern immerhin fünftgrößte Stadt NRWs – das Ziel von Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben und auf ihrer Flucht vor Krieg und Gewalt in die Stadt im Herzen des Ruhrgebiets gekommen sind. Allein im Duisburger Stadtteil Neumühl sind zurzeit etwa 1.400 Geflüchtete untergebracht. Für Pater Tobias und sein Team sind deshalb die Themen »Integration« und »Flüchtlinge« in den vergangenen Wochen und Monaten zu einem immer größeren Teil ihrer alltäglichen Arbeit geworden.

Neben der allgemeinen Sozialberatung deckt das überwiegend spendenfinanzierte und vor Ort umfassend vernetzte Projekt »LebensWert« ein breites Spektrum von Hilfsangeboten ab. Von Amtsbegleitungen über Deutschkurse und Bewerbungstrainings bis hin zur professionellen Seelsorge reicht das Angebot, welches auf dem Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe beruht. Zusammen mit zwei hauptamtlichen Sozialarbeiter/innen und etwa 40 freiwilligen Unterstützer/innen arbeitet Pater Tobias in mehreren Arbeitsbereichen erfolgreich daran, Hilfesuchenden unabhängig von Religion, Nationalität und Herkunft den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Im Mittelpunkt der Arbeit mit Flüchtlingen stand dabei die Idee, eine Laufgruppe für Flüchtlinge zu gründen; eine Idee, die mittlerweile Nachahmer in weiteren Städten in Deutschland gefunden hat, wie Pater Tobias erfreut registriert. Der laufbegeisterte Priester, der dem Orden der Prämonstratenser angehört und Seelsorger in der katholischen Gemeinde Herz-Jesu in Duisburg-Neumühl ist, hat mit seiner Laufleidenschaft schon viele Flüchtlinge angesteckt und motiviert. Der Sport helfe den überwiegend jungen Männern dabei, Mut zu fassen, in einem noch fremden Land »eine neue Zukunft zu wagen«. Die überwältigende Resonanz und der Zuspruch bei den Flüchtlingen seien eine »große Motivation«.

Yamen Kadour, 31, bestätigt diese Einschätzung. Der aus Syrien geflohene Rechtsanwalt arbeitet als mittlerweile anerkannter Flüchtling vormittags im Rahmen seines Bundesfreiwilligendienstes im Projekt-Café und besucht nachmittags einen Integrationskurs. Er meint: »Mir gefällt Sport, er macht mir Spaß und ist gut für den Körper und den Kopf«. Das Laufen helfe ihm dabei, »abzuschalten und den Stress abzubauen«. Zudem freut er sich, dass er durch den Sport »Kindern in Duisburg helfen kann«.

Denn alle gespendeten und erlaufenen Preisgelder kommen tatsächlich vollständig den verschiedenen Projekten der gemeinnützigen GmbH »LebensWert«, und damit allen bedürftigen Duisburgerinnen und Duisburgern, zugute. Denn für Pater Tobias hat sich trotz der aktuellen Flüchtlingssituation nichts an seinem Projektziel geändert, »im Dialog mit allen Duisburgern zu sein«. Dies gelinge, indem »wir die Sorgen, Ängste und Nöte der Menschen ernst nehmen und sie begleiten, um vorhandene Not und Armut zu lindern. Wir wollen Halt sein für Menschen, die ohne Halt sind«.

Kontakt
Barbara Hackert
Projekt Lebenswert
Tel (02 03) 5 03 40 64
Mail b.hackert@projekt-lebenswert.de
www.projekt-lebenswert.com/cms/das-projekt.html

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