Glückauf: Eine freiwillige Spurensuche zu Migration und Integration in Dortmund

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Gespeichert von Tim Strehlau am 27. April 2016
Plakat zur Ausstellung "Glückauf in Deutschland"

Glückauf: Eine freiwillige Spurensuche zu Migration und Integration in Dortmund

Engagement des Monats Mai 2016

Engagementpreis NRW | Eine Dortmunder Ausstellung mit den Biografien von neun Jugendlichen, die 1964 aus der Türkei als Lehrlinge in den Ruhrbergbau kamen, zeigt: Einwanderung und Integration sind integraler Bestandteil der Industrie- und Stadtgeschichten des Ruhrgebiets und damit gelebter Alltag in NRW. Dabei bietet das individuelle Erfahrungswissen der Älteren mitunter wichtige Anknüpfungspunkte für die aktuelle Integrationsdebatte, denn Integration braucht nicht nur die persönliche Leistung der Neuankömmlinge, sondern auch gute Rahmenbedingungen.

 

Der »Verein für Internationale Freundschaften« (ViF) ist eine selbstorganisierte Initiative von Migrantinnen und Migranten aus verschiedensten Ländern und seit 1987 in der Dortmunder Nordstadt aktiv. Am Anfang der Projektidee stand im Jahr 2012 der gewachsene Wunsch der Ehrenamtlichen des Vereins, sich über die eigene Migrationsgeschichte auszutauschen. Dazu begaben sich die Männer und Frauen des Vereins in der Folge auf eine intensive persönliche Spurensuche und historische Zeitreise mit dem Ziel, biografische Erinnerungen und individuell erlebte Erfahrungen mit politischer Zeitgeschichte zu verknüpfen.

Die daraus entstandene Ausstellung »Glückauf in Deutschland« versteht sich deshalb folgerichtig als ein Versuch, die (migrantische) Geschichte des Bergbaus und der Einwanderung im Ruhrgebiet anhand der Erinnerungen derjenigen Menschen nachzuzeichnen, die in den 1960er Jahren als sog. »Gastarbeiter« in die heute mit mehr als 580.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bevölkerungsreichste Stadt des Ruhrgebiets gekommen waren.
 

Glückauf in Deutschland - Ausstellungsfilm von Ulrich Baringhorst

Mit den Exponaten der Ausstellung und ihren dort vorgestellten Biografien werfen die Angehörigen der ersten Einwanderergeneration einen eigenen und selbstbewussten Blick auf die von ihnen gelebte Integration und wirken damit als »Botschafter in die eigene Migrationsgemeinde, die nachfolgende Generation und in die Gesamtgesellschaft«, wie Viktoria Waltz eine erwünschte Nebenwirkung des Spurensuche-Projekts erläutert.

Doch für die ehrenamtliche ViF-Projektleiterin ist noch etwas anderes wichtig, wenn sie über die Ausstellung und das Projekt spricht. Für sie bekommt das Projekt durch die aktuelle Flüchtlingssituation eine besondere Bedeutung. Gerade der Blick zurück zeige, dass »Integration nicht nur die persönliche Leistung der Flüchtlinge« sei, sondern auch »Ergebnis bester Rahmenbedingungen: öffentliche Aufmerksamkeit, persönliche, nachbarschaftliche Betreuung, konkrete Unterstützung und Hilfe«. Vor diesem Hintergrund leiste das Projekt »einen aktiven Beitrag zur Integrationsdebatte«.

Und das mit Erfolg: Seit Oktober 2015 tourt die Ausstellung durch verschiedene Städte im Ruhrgebiet, das Interesse an den in der Ausstellung erzählten persönlichen Geschichten der Zeitzeugen und deren Erfahrungen ist riesengroß. Zugleich gibt es bereits Ideen, das Projekt durch einen »permanenten internationalen Erzählsalon der Bürgerinnen und Bürger« zu ergänzen. Dadurch solle die »allseits sichtbare Bedeutung von Migration in unserer Gesellschaft anerkannt« und so insbesondere Migrantinnen und Migranten »eine Stimme gegeben« werden.

Kontakt und Ansprechperson
ViF – Verein für Internationale Freundschaften e.V.
Projekt Spurensuche
c/o Dr. Viktoria Waltz
Flurstr. 70
44135 Dortmund
E-Mail: vifdo@web.de
vifdo.wordpress.com/category/ausstellung-glueckauf-in-deutschland/

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