Forum für Willkommenskultur: Vernetzen, qualifizieren, unterstützen

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Gespeichert von Björn Lappe am 24. Januar 2022
Ein Frau steht auf einen Podium und spricht zu einem Publikum. Auf einer Leinwand steht: Engagier dich!

Forum für Willkommenskultur: Vernetzen, qualifizieren, unterstützen

Engagement des Monats Februar 2022

Engagementpreis NRW | Mit dem Forum für Willkommenskultur schaffen die Kölner Freiwilligen Agentur und der Kölner Flüchtlingsrat bereits seit 2015 gute Rahmenbedingungen für Engagierte in der Geflüchtetenarbeit. Ziel ist es, den Einsatz für ein solidarisches Miteinander von Menschen mit und ohne Fluchthintergrund möglichst wirksam und sinnstiftend für alle zu machen. Informations-, Vernetzungs- und Austauschangebote unter Einbezug weiterer kommunaler Akteur/innen motivieren Engagierte und diejenigen, die noch nicht aktiv sind. Eigene Projekte wie Grundschulpatenschaften oder Sprachbegleitungen stärken den interkulturellen Austausch und ermöglichen auch Geflüchteten in großer Zahl die Aufnahme eines Engagements.

 

Millionen Menschen fliehen weltweit jedes Jahr vor Gewalt, Hunger und Perspektivlosigkeit. Als die Zahl der geflüchteten Menschen 2015 im sog. »Sommer der Migration« auch hierzulande stark anstieg, entwickelte sich überall im Land das Bedürfnis, den Ankommenden zu helfen. Immer mehr Kölnerinnen und Kölner schlossen sich in selbstorganisierten Willkommensinitiativen zusammen oder wollten sich anderweitig in der Geflüchtetenarbeit engagieren. »Die Hilfsbereitschaft war enorm. Viele Menschen haben sich damals sicher auch aufgrund der starken Bilder in den Medien für ein Engagement entschieden. Es gab ein weitverbreitetes Gefühl, dass man die Situation so nicht hinnehmen will«, beschreibt Gabi Klein von der Kölner Freiwilligen Agentur die damalige Stimmungslage. Ein großes Potenzial an sozialem und politischem Engagement suchte sich in der Domstadt neben den vorhandenen Unterstützungsstrukturen seinen Raum. Schnell zeigte sich aber auch, dass viele der »neuen« Engagierte vor den gleichen Fragen standen: Wie kommen wir in Kontakt mit Geflüchteten? Wie können wir uns als Initiative organisieren? Wo dürfen wir Tipps geben, wo fängt rechtliche Beratung an?
 

Die Kölner Freiwilligen Agentur und der Kölner Flüchtlingsrat entwickelten als Reaktion hierauf das Forum für Willkommenskultur mit dem Ziel, die alten und neuen Akteure der Geflüchtetenarbeit zu vernetzen, zu qualifizieren und in ihrem Engagement zu unterstützen. Das 2015 gegründete Forum brachte lokale Willkommensinitiativen sowie stadtweit tätige Initiativen, Arbeitskreise und Unterstützungsangebote der Geflüchtetenarbeit zusammen. Seit Beginn bestimmten die Bedarfe und Fragestellungen der Freiwilligen die Inhalte des Forums. Zunächst lag der Fokus etwa auf Asylrecht, Behörden- und Beratungsstrukturen oder dem Know-how zur Gründung von Initiativen. Danach kamen andere Themen auf wie etwa Abschiebung und Bleiberecht, Wohnungssuche und Wohnungsnot, Integration in Arbeit und Ausbildung oder Selbstorganisation von Geflüchteten. In den letzten Jahren beschäftigte sich das Forum auch mit der Situation an den EU-Außengrenzen und – verstärkt durch die Auswirkungen der Pandemie – mit (digitaler) Bildungsteilhabe von Flüchtlingskindern.

Das Forum, welches 2021 mit dem bagfa-Innovationspreis für beispielgebende Ansätze zur Förderung des Engagements ausgezeichnet wurde, stärkt den ehrenamtlichen Einsatz für Geflüchtete durch eine ganze Reihe unterschiedlicher Austauschangebote. Unter dem Motto »Engagier dich!« wird ein- bis zweimal jährlich zu Engagementbörsen für die ehrenamtliche Geflüchtetenarbeit eingeladen. Hier stellen sich Initiativen vor und informieren potentielle neue Mitstreiter/innen über ihre Tätigkeit. Auch im Rahmen offener Vernetzungstreffen, BarCamps und regelmäßiger Infoveranstaltungen können Interessierte Kontakte zu Aktiven knüpfen und sich über die vielfältigen Möglichkeiten in der ehrenamtlichen Geflüchtetenarbeit informieren. Wer es noch genauer wissen möchte, kann eine individuelle Beratung vereinbaren.

»Als Forum für Willkommenskultur versuchen wir, dauerhaft über verschiedene Formate präsent und ansprechbar zu sein«, erklärt Jashar Erfanian, der zusammen mit Daniel Wyszecki beim Kölner Flüchtlingsrat für die Freiwilligenarbeit zuständig ist. Zu diesen Formaten zählt auch ein Online-Rundbrief zur ehrenamtlichen Geflüchtetenarbeit, der alle 14 Tage an über 2.000 Abonnent/innen verschickt wird. Auch mit den Podcastreihen »HIER/GEBLIEBEN«, »HART AN DER GRENZE« und »Wir reden mit…« informiert das Forum zu Themen der Flüchtlingspolitik und zeigt ganz konkret, was in der Geflüchtetenarbeit in Köln und darüber hinaus möglich ist.

Um für jede und jeden ein passendes Engagement anzubieten, werden über die Arbeit im Forum für Willkommenskultur immer wieder eigene Projekte entwickelt und Engagierte qualifiziert. Beim Kurzzeitbegegnungsprojekt »WelcomeWalk« etwa begegnen sich jeweils ein Mensch mit und ein Mensch ohne Fluchterfahrung in drei Treffen. Ein Pat/innen-Projekt ermöglicht die einjährige Begleitung eines Grundschulkinds mit Fluchterfahrung. Und bei »Babellos« wird eine punktuelle Sprachbegleitung für Geflüchtete durch Ehrenamtliche organisiert, z.B. bei Behördengängen oder Arztterminen. Alle Projekte ermöglichen es auch Menschen mit Fluchterfahrung, ihre Kompetenzen, Erfahrungen und Einstellungen in die Gesellschaft einzubringen. Bei »Babellos« engagierten sich im Laufe der Zeit bereits mehr als 100 Geflüchtete. In einigen Fällen entwickeln sich aus den Projekten dauerhafte Beziehungen.

»Mich verblüfft immer wieder der Einsatz einzelner Personen«, erklärt Gabi Klein. »Aus kurzen Einsätzen haben sich oft langjährige Engagements, häufig einhergehend mit politischem Einsatzentwickelt, die so für alle Beteiligten nicht vorhersehbar waren.« Viele Engagierte haben im Laufe der Zeit detailliertes Wissen erworben, eine politische Haltung entwickelt, breite Netzwerke aufgebaut und frei von strukturellen Zwängen neue Wege des Miteinanders mit Politik und Verwaltung geebnet. Das Forum schätzt und fördert dieses Expert/innentum und verschafft den Engagierten in partizipativen Veranstaltungsformaten wie den BarCamps Gehör und Anerkennung. In Kooperationsprojekten arbeitet das Forum auch immer wieder mit ehrenamtlichen Arbeitsgruppen zusammen.

Geflüchtetenarbeit und die Gestaltung einer offenen und vielfältigen Gesellschaft sind langfristige Aufgaben. Das ist vielen Ehrenamtlichen, die über das Forum für Willkommenskultur zusammenfinden, klar. Es geht ihnen um ein Engagement, das über die Aufgaben der humanitären Hilfe und Erstaufnahme weit hinausweist. Gemeinsam möchten sie Handlungsspielräume für das Engagement nachhaltig gestalten, neue Kooperationen entwickeln und dabei möglichst viele Menschen als Engagierte mitnehmen – Alteingesessene genauso wie diejenigen, die neu in Köln sind. »Die Beständigkeit in unserem Handeln teilen wir als Vertreterinnen und Vertreter des Forums mit den vielen Ehrenamtlichen, die in besonderer Weise auch in den Zeiten der Pandemie Kontakt zu Geflüchteten gehalten haben oder sich in großer Zahl neu zu den Projekten des Forums angemeldet haben. Auf diese Solidarität bauen wir auf«, blickt Jashar Erfanian zuversichtlich voraus. Mit einer Kinofilm-Gesprächsreihe, dem Ausbau von Online-Angeboten oder der verstärkten Vernetzung mit Migrantenselbstorganisationen sind die nächsten Projekte bereits abgesteckt.

Kontakt und Ansprechpartner/innen:
Kölner Freiwilligen Agentur e.V.
Gabi Klein
Bereichsleiterin
Clemensstr. 7
50676 Köln
Tel. (0221) 888 278-24
E-Mail: gabi.klein@koeln-freiwillig.de
Web: www.koeln-freiwillig.de

Kölner Flüchtlingsrat e.V.
Jashar Erfanian
Freiwilligenarbeit
Herwarthstr. 7 (Eingang Werderstr.)
50672 Köln
Tel. (0221) 279 171-11
E-Mail: erfanian@koelner-fluechtlingsrat.de
Web: www.koelner-fluechtlingsrat.de

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