Drei Fragen an...

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Gespeichert von Björn Lappe am 29. November 2018
Portrait Walter Schneeloch

Drei Fragen an...

Walter Schneeloch

Seit 2005 ist Walter Schneeloch Präsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen. Mit der in diesem Jahr gestarteten »Initiative Ehrenamt 2018 – 2022« möchte der Landessportbund mehr Menschen für das ehrenamtliche Engagement im Sportverein motivieren. In unserer Rubrik »Drei Fragen an...« wirft Walter Schneeloch einen persönlichen Blick auf das Ehrenamt im Sport.

 

Sie engagieren sich seit Jahrzehnten in verschiedenen ehrenamtlichen Positionen, v.a. im sportpolitischen Bereich. Was macht das Ehrenamt für Sie so besonders?

Nur wenn Menschen sich bereitwillig für andere einsetzen, bleibt unsere Gesellschaft lebens- und liebenswert. Das ist meine feste Überzeugung und auch die zentrale Triebfeder für mein ehrenamtliches Engagement im Sport. Verantwortung übernehmen, mitgestalten, etwas bewegen, sich aktiv einbringen, helfen, für andere da sein und sich zu bilden, all dieses  macht das Ehrenamt für mich so besonders.
Traditionell steht das Ehrenamt für Ämter und Aufgaben, die durch gewählte oder ernannte Personen wahrgenommen werden. Ich verstehe unter Ehrenamt aber auch das freiwillige Engagement von Menschen, die eine aktive und selbst gewählte Tätigkeit im Dienste von Sportvereinen oder –organisationen übernehmen. Das typische Beispiel hierfür sind die vielen Menschen, die mit hohem zeitlichen Aufwand und Kontinuität den Übungs-, Trainings-, Wettkampfbetrieb im Verein übernehmen und die dafür meist umfangreiche Aus- und Fortbildungen absolvieren. Freiwillig engagiert sind aber auch all die Personen, die beispielsweise bei Veranstaltungen mithelfen, Fahrdienste organisieren und andere Aufgaben übernehmen, die in den Sportvereinen anfallen.

Der organisierte Sport ist ohne das Engagement zahlreicher Freiwilliger nicht denkbar. Welches Engagement in NRWs Sportvereinen hat Sie zuletzt besonders beeindruckt?

Lassen sie mich hier stellvertretend den WSC Lippstadt nennen, der am 30. Oktober beim wichtigsten deutschen Breitensport-Wettbewerb  »Sterne des Sports« zum Sieger auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen gewählt und mit dem »Großen Stern des Sports« in Silber 2018 ausgezeichnet wurde. Mit dieser Auszeichnung würdigen die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Landessportbünden auf Orts-, Landes- und Bundesebene alljährlich engagierte Sportvereine, die etwas Gutes für die Bürger in ihrer näheren und weiteren Umgebung tun.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Wasser- und Wintersportclub (WSC) Lippstadt und dem Evangelischen Gymnasium Lippstadt hat eine lange Geschichte. Schon gut 20 Jahre gab es eine gemeinsame Kanu-AG, als 2012 der Kooperationsvertrag »Schulkanu-Projekt Lippstadt – Unterrichtsentwicklung auf dem Fluss« unterschrieben wurde. »Kanu« gilt seitdem als echtes Schulfach und ist ein sportlicher Schwerpunkt der Schule. Übungsleiter des Vereins und Sportlehrer arbeiten dabei eng zusammen. Auch mit dem Kanuverband NRW, der DLRG und dem Deutschen Roten Kreuz gibt es gemeinsame Kurse. Schüler der Oberstufe qualifizieren sich über die Sporthelfer-Zertifizierung des Landessportbundes als Kanu-Trainer.
Ich könnte aber viele weitere Sportvereine benennen. So hat der  Landessportbund NRW z.B. im Rahmen seiner »Initiative Ehrenamt 2018 – 2022« das Aktionsjahr »TAGE DER EHRE – 365 Aktionen fürs Ehrenamt« ausgerufen. Ziel ist es, ab dem 14. April 2018 ein Jahr lang jeden Tag zum »Tag des Ehrenamtes« zu machen und die Sportvereine zu bewegen, ehrenamtlich engagierten Menschen mit ihren Aktionen rund um das Thema »Ehrenamts- und Engagementförderung im Sport« ins Rampenlicht zu rücken. Schon im August 2018 war der letzte Tag im Aktionskalender vergeben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Ehrenamts im organisierten Sport?

Sport und Ehrenamt sind in NRW ein »starkes Team«. Laut aktuellem Sportentwicklungsbericht gibt es in NRW 351.000 ehrenamtlich Engagierte auf Vorstands- und Ausführungsebene und 1,1 Millionen Menschen, die sich in kurzfristigen Arbeitseinsätzen engagieren.
Aber es wird immer deutlicher, dass die Ressource »Ehrenamt« im organisierten Sport knapper wird. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Menschen für die vielfältigen Aufgaben zu gewinnen. In erster Linie ist hier die Vorstands-/Leitungsebene betroffen, aber auch die Ausführungsebene hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Darüber hinaus signalisieren Vereine, dass eine Überalterung in wichtigen Ehrenamtsfunktionen festzustellen ist. Es sind kaum junge Menschen in ehrenamtlichen Leitungsfunktionen anzutreffen. Und auch Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund sind hierbei stark unterrepräsentiert.
Unsere große Herausforderung im organisierten Sport ist es, mehr Menschen als bisher für das ehrenamtliche Engagement im Sportverein zu motivieren. Dieses klare Ziel verfolgen wir auch mit der landesweiten »Initiative Ehrenamt«. Im Mittelpunkt der verschiedenen Maßnahmen steht der Sportverein mit seinen (potenziellen) Mitgliedern. Diese gilt es für ein ehrenamtliches Engagement im Sportverein zu gewinnen und längerfristig zu binden. Dafür müssen attraktive Rahmenbedingungen und ein modernes Ehrenamtsmanagement geschaffen werden.
Alle Maßnahmen zur Engagementförderung haben aber nur dann Erfolg, wenn sie spürbare Verbesserungen bewirken. Das ist mein Wunsch an die Zukunft des Ehrenamtes im organisierten Sport.

Zur Webseite von Sportehrenamt.NRW

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