Drei Fragen an ...
... den Landessportbund Nordrhein-Westfalen e. V.
Ohne die fast 1,5 Millionen Menschen, die sich in Nordrhein-Westfalen ehrenamtlich im Sport engagieren, gäbe es kein Vereinsleben, wie wir es kennen. Mit der Offensive #SPORTEHRENAMT macht der Landessportbund Nordrhein-Westfalen genau dieses Engagement sichtbar – unter dem Motto "Kein Sport ohne Ehrenamt". Im Interview spricht Tobias Knoch, Vorstandsmitglied des LSB NRW und Geschäftsführer der Sportjugend NRW, darüber, was das Ehrenamt für den Sport in Nordrhein-Westfalen bedeutet, was die Kampagne bewirken soll und wie der Einstieg ins eigene Engagement gelingen kann.
Das Gespräch haben wir im Juli 2026 geführt.
Der organisierte Sport ist die größte Bürgerbewegung in Nordrhein-Westfalen. Könnt ihr uns einen Eindruck geben, welche Bedeutung das freiwillige Engagement für den Sport in Nordrhein-Westfalen hat – und was ohne die Ehrenamtlichen schlicht nicht möglich wäre?
Das stimmt, der Sport ist die größte Bürgerbewegung in Nordrhein-Westfalen und das ist vor allem den vielen Menschen zu verdanken, die sich Tag für Tag freiwillig engagieren. Fast 1,5 Millionen Menschen bringen sich in unseren Sportvereinen in einem Ehrenamt oder als freiwillige Helfer*innen ein. Sie trainieren Kinder und Jugendliche, übernehmen Verantwortung als Schieds- und Wertungsrichter*innen oder engagieren sich in Vorständen. Außerdem organisieren sie Wettkämpfe und Vereinsfeste, sorgen als Ordner*innen oder Platzwart*innen für einen sicheren und reibungslosen Ablauf oder kümmern sich im Hintergrund um die Social-Media-Arbeit. Denn die macht sichtbar, was der Verein Tag für Tag leistet. Kurz zusammengefasst: Diese Engagierten übernehmen unzählige Aufgaben, ohne die kein Vereinsleben funktionieren würde. Und manchmal ist es auch einfach der Grillmeister, der dafür sorgt, dass nach dem Spiel das Vereinsleben nicht endet, sondern erst richtig beginnt.
Ich finde, genau in diesen aufgezählten Beispielen wird deutlich, was ohne das freiwillige Engagement im Sport fehlen würde und warum Ehrenamt eben kein "Extra", sondern das Fundament des organisierten Sports ist. Gleichzeitig sehen wir, dass die Zahl der Engagierten zurückgeht, während die Mitgliederzahlen bei uns in Nordrhein-Westfalen weiter steigen. Umso wichtiger ist es, die Menschen sichtbar zu machen, die den Sport tragen, ihnen Wertschätzung entgegenzubringen und gute Rahmenbedingungen für ihr Engagement zu schaffen. Denn wer sich im Sport engagiert, bewegt nicht nur Menschen, sondern stärkt auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Nordrhein-Westfalen.
Mit der Offensive #SPORTEHRENAMT läuft seit 2025 eine mehrjährige Kampagne mit jährlichem Schwerpunkten z.B. mit dem diesjährigen Motto „Kein Sport ohne Ehrenamt“. Was ist das Ziel dieser Offensive und warum hat sich der Landessportbund Nordrhein-Westfalen für diesen offensiven, bildstarken Ansatz entschieden?
Mit der Offensive #SPORTEHRENAMT wollen wir gemeinsam mit der Staatskanzlei und in Kooperation mit unserem langjährigen Partner WestLotto vor allem eines erreichen: Wir möchten das Ehrenamt im Sport in den Fokus schieben. Vieles von dem, was Ehrenamtliche leisten, geschieht ganz selbstverständlich und oft im Hintergrund. Dabei wären unsere Sportvereine ohne ihren Einsatz nicht denkbar. Genau das möchten wir stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.
Gleichzeitig wollen wir zeigen, wie vielfältig Ehrenamt im Sport ist. Es reicht von der Mannschaftsbetreuerin über den Schiedsrichter, vom Vorstand bis zum Nachhaltigkeitsbeauftragten. Diese Vielfalt möchten wir verdeutlichen und gleichzeitig Lust darauf wecken, selbst Verantwortung zu übernehmen. Ich bin überzeugt, dass jede und jeder mit seinen persönlichen Stärken einen Platz beziehungsweise eine Aufgabe im Sportverein finden kann. Deshalb möchten wir nicht nur den Menschen Danke sagen, die sich bereits engagieren, sondern auch andere ermutigen, selbst Teil dieser Gemeinschaft zu werden.
Den bildstarken Ansatz haben wir gewählt, weil Bilder und persönliche Geschichten Menschen oft unmittelbarer als Zahlen oder abstrakte Botschaften erreichen. Unsere Kampagne, die hauptsächlich in den Sozialen Medien läuft, zeigt deshalb echte Ehrenamtliche aus den Sportvereinen und macht deutlich, was sie mit ihrem Engagement bewegen. So bringen wir das zum Vorschein, was häufig unsichtbar bleibt, und senden gleichzeitig eine klare Botschaft: Kein Sport ohne Ehrenamt.
Angenommen, jemand liest dieses Interview und überlegt, sich im Sport zu engagieren, weiß aber nicht wie: Welche ersten Schritte würdet ihr empfehlen – und wo findet diese Person Unterstützung?
Wer darüber nachdenkt, sich im Sport zu engagieren, sollte sich einfach trauen, den ersten Schritt zu machen. Der beste Weg ist, den eigenen Sportverein oder, wenn man selbst noch in keinem Sportverein Mitglied ist, einen Sportverein in der Nähe anzusprechen. Viele Menschen denken bei einem Ehrenamt sofort an ein großes zeitliches Engagement oder eine Vorstandsposition. Dabei beginnt Engagement oft viel kleiner. Vielleicht als Helfer*in bei einem Vereinsfest, als Unterstützung einer Trainingsgruppe oder bei der Organisation eines befristeten Projekts. So kann jede*r ausprobieren, welche Aufgabe zu den eigenen Interessen und zum persönlichen Zeitbudget am besten passt.
Unterstützung gibt es dabei an vielen Stellen. Die Sportvereine selbst sind die erste Anlaufstelle und freuen sich über Menschen aller Altersklassen, die sich einbringen möchten. Gleichzeitig bieten die Stadt- und Kreissportbünde, die sportartspezifischen Verbände sowie wir als Landessportbund Nordrhein-Westfalen Beratung, Informationen und Qualifizierungsangebote an. Auf unserem Ehrenamtsportal www.sportehrenamt.nrw finden Interessierte außerdem viele Anregungen, Informationen und Beispiele aus der Praxis. Das Wichtigste ist aber: Niemand muss perfekt sein, um sich zu engagieren. Entscheidend ist die Bereitschaft, in irgendeiner Form mitmachen zu wollen. Alles andere kann man gemeinsam lernen.