Drei Fragen an...

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Gespeichert von Eva-Maria Antz am 14. Mai 2019
Joana Gerdt

Drei Fragen an...

Joana Gerdt

In Nordrhein-Westfalen haben sich im Herbst 2018 mehr als 160 lokale Migrantenorganisationen aus sieben Städten zusammengeschlossen und einen eigenen NRW-Landesverband innerhalb des Bundesverbandes Netzwerke von Migrantenorganisationen (NeMO) gegründet. Joana Gerdt ist die Vorsitzende dieses neuen Verbandes.

 

Welche Rolle spielt das ehrenamtliche Engagement im Landesverband NeMO in Nordrhein-Westfalen?

Das ehrenamtliche Engagement spielt in NRW eine entscheidende Rolle. Im Bundesvergleich hat NRW die größte Anzahl von Geflüchteten aufgenommen, die Hilfe der Menschen brauchten und brauchen, die schon lange hier leben. Denn: Die vorhandenen strukturellen Kapazitäten von Wohlfahrtsverbänden erlauben es nicht, eine effektive und dringend notwendige Hilfe an die Geflüchteten zu leisten. Deshalb ist das Engagement von ehrenamtlichen Kräften aus Vereinen oder Willkommensinitiativen unentbehrlich. Genau diese Kräfte haben den größten Anteil der Arbeit mit Geflüchteten seit dem Jahr 2015 übernommen. Und es ist seitens vielen Kommunen durch die Einführung der Ehrenamtskarte belohnt worden.
Darüber hinaus brachte die ehrenamtliche Tätigkeit im Landesverband doppelten Gewinn: die Ehrenamtlichen bekamen entsprechende Erfahrung in der Arbeit mit geflüchteten Menschen. Und die Neuzugewanderten lernten in dieser Zeit viel von Ehrenamtlichen (Behörden- und Ärztegänge usw.). Auch jetzt, wo die Geflüchteten Deutsch in gewissem Maße beherrschen, sind sie wieder an die Ehrenamtlichen bei der Suche nach einer Wohnung, einen Ausbildungsplatz, einem Job »angebunden«. Die Rolle der Ehrenamtlichen als Unterstützer und Begleiter der Flüchtlinge wird auch in die Zukunft sehr stark nachgefragt, wenn die Neuzugewanderte beginnen z.B. eigene Migrantenorganisationen bzw. Vereine mit Bezug auf Herkunftsländer zu gründen.

Welche Impulse für bürgerschaftliches Engagement möchte der Landesverband den Migrantenorganisationen in NRW geben?

Es ist kein Geheimnis und sehr bedauerlich, dass Rassismus gegen Flüchtlinge stark zunimmt. Ein wichtiger Impuls für bürgerschaftliches Engagement ist hier die aktive Teilnahme an verschiedenen Aktionen, Kampagnen, Workshops, die vom Landesverband NEMO geplant und durchgeführt werden, sowie die Verstärkung der Aufklärung in der Antirassismusarbeit.
Dieses Jahr ist auch angesichts der EU-Wahlen ein besonderes Jahr. Da alle Entscheidungen im Bereich Migration das EU-Parlament betreffen und diese Entscheidungen auch für EU-Bürger, die als Ehrenamtliche tätig sind, eine Bedeutung haben, ist als weiterer Impuls die aktive Tätigkeit der Ehrenamtliche bei der Wahlkampagne mit gleichzeitiger Aufklärung der Bedeutung der Wahlen und des Wahlrechts für die Neuzugewanderten zu nennen.

Welches Engagement hat Sie persönlich zuletzt besonders beeindruckt?

Das Engagement ist so vielfältig: vom damaligen Empfang der Neuzugewanderten bis zum heutigen Einsatz der Ehrenamtler bei z.B. der Wohnungssuche. Daher finde ich es ziemlich schwierig, etwas daraus hervorzuheben. Ich persönlich bin besonders vom ganzen Spektrum des Engagements beeindruckt!

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