Besuch für Dich! Lesezauber im Seniorenheim

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Gespeichert von Tim Strehlau am 3. April 2017
Besuch für Dich – Kinder lesen alter Dame vor

Besuch für Dich! Lesezauber im Seniorenheim

Engagement des Monats April 2017

Engagementpreis NRW | In einem Solinger Seniorenheim finden regelmäßig Vorlesungen der anderen Art statt: dann werden Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit als mehrsprachige Vorleser/innen für Seniorinnen und Senioren freiwillig aktiv. Das interkulturelle Projekt wird vom Kommunalen Integrationszentrum in Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus Solingen und weiteren Partnern durchgeführt.

 

In Deutschland engagieren sich viele Menschen als ehrenamtliche Vorlesepatinnen oder Vorlesepaten. Im Rahmen solcher bundesweit anzutreffenden Initiativen lesen dabei in der Regel erwachsene Menschen Kindern und Jugendlichen vor. Der umgekehrte Fall ist in der Praxis dagegen viel seltener zu beobachten.

In Solingen bestätigt die Ausnahme die Regel: Zwar gibt es in der Klingenstadt mitten im Bergischen Land auch herkömmliche Vorleseinitiativen, doch seit 2012 hat sich in der Stadt mit ihren etwa 160.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ein Projekt etabliert, dass sich der Interkulturellen Leseförderung verschrieben hat und das den Gedanken der Leseförderung mehrmals im Monat auf ungewöhnlichem Wege umsetzt. Denn dann finden in einem Solinger Seniorenheim Vorlesungen der anderen Art statt – Vorlesungen, die ganz ohne Professoren, Noten oder Anwesenheitspflicht auskommen. Trotzdem ist die Bude immer gerappelt voll, wenn Solinger Kinder ab 10 Jahren mit fester Stimme beginnen, »ihren« Seniorinnen und Senioren vorzulesen. Und egal ob es sich dabei um Kurzgeschichten, Märchen oder den neuesten Klatsch aus der Zeitung handelt: wenn es von der Herkunft passt und wenn es gewünscht wird, lesen die Kinder Texte in der Muttersprache der Seniorinnen und Senioren vor.

 

Für Claudia Elsner-Overberg macht dieser mehrsprachige Ansatz viel Sinn in einer Stadt, deren Bevölkerung bunt gemischt und schon seit vielen Jahren durch Zuwanderung geprägt ist. Frau Elsner-Overberg ist beim Kommunalen Integrationszentrum Solingen für den »Lesezauber im Seniorenheim« zuständig. Sie erläutert die Idee hinter dem Projekt, das sie gemeinsam mit dem Mehrgenerationenhaus Solingen und der örtlichen Alexander-Coppel-Gesamtschule umsetzt: »In Solingen leben immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund in Senioren- und Altersheimen. Für diese Gruppe wollten wir etwas tun. Und so ist im Zuge der Umsetzung unseres städtischen interkulturellen Gesamtkonzeptes im Rahmen einer kommunalen Stadtteilkonferenz die Idee entstanden, ein interkulturelles und mehrsprachiges Vorleseangebot für Seniorinnen und Senioren zu entwickeln«. Dieses Angebot sollte zugleich Kinder und Jugendliche für das Lesen und Vorlesen begeistern und soziales Engagement mit dem Vorlesen verbinden.  

Gesagt, getan: Schnell fanden sich Kinder, die sich für das Angebot begeisterten und mitmachen wollten. Doch bevor »die Kleinen« zum ersten Mal »den Großen« vorlesen dürfen, müssen sie sich wie die Erwachsenen zu Vorlesepatinnen und Vorlesepaten ausbilden lassen. »Für die Kinder ist die interkulturelle Leseförderung eng mit der Sprachförderung verknüpft«, führt Claudia Elsner-Overberg weiter aus, ein Ziel sei es stets, »die Mehrsprachigkeit als wertvolle Fähigkeit spielerisch zu fördern«. Heute sind knapp 20 Kinder und Jugendliche in zwei Gruppen zwei Stunden wöchentlich im Projekt aktiv, mindestens vier ehrenamtliche Betreuerinnen oder Betreuer sind zudem dauerhaft eingebunden.

Dabei profitieren nicht nur die Kinder von ihrem Engagement, sondern auch die Seniorinnen und Senioren schöpfen aus dem regelmäßigen Kontakt viel Spaß und Freude, wie Claudia Elsner-Overberg zufrieden feststellt. Durch das Angebot werde deren »soziale und gesellschaftliche Teilhabe« gestärkt, weil sich nicht selten gemeinsame Ausflüge ins Theater oder ins Konzert den gemeinsamen Vorlesestunden anschließen. Kein Wunder also, dass Frau Elsner-Overbergs Zwischenfazit nach einigen Jahren Projektlaufzeit ausgesprochen positiv ausfällt: Der durch das Projekt entstehende Austausch zwischen Alt und Jung sei gerade in einer älter und diverser werdenden Gesellschaft ein wichtiges Bindeglied zwischen den Generationen und dazu geeignet, das Leben in Solingen für alle Generationen ein wenig lebenswerter zu machen.  
 
Kontakt und Ansprechpartnerin
Kommunales Integrationszentrum Solingen
Claudia Elsner-Overberg
Friedrichstraße 46
42655 Solingen
Tel: (02 12) 25 08 09 18
E-Mail: c.elsner-overberg@solingen.de
Web: www.solingen.de

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