Beginenhof Essen: Frauenkultur an der Ruhr

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Gespeichert von Tim Strehlau am 30. Dezember 2016
Impressionen vom Beginenhof in Essen

Beginenhof Essen: Frauenkultur an der Ruhr

Engagement des Monats Januar 2017

Engagementpreis NRW | Der Beginenhof in Essen ist ein generationsübergreifendes Wohnprojekt von Frauen. Neben dem zusammen leben und voneinander lernen spielt das bürgerschaftliche Engagement eine große Rolle. Vielfältige Aktivitäten in der Nachbarschaft und im Stadtteil kommen durch das Engagement der Bewohnerinnen und die Nutzung der Gemeinschaftsräume zustande. Mit dem Beginenhof ist ein Projekt entstanden, in dem aus dem Miteinander der Generationen viele Ideen und deren Umsetzung möglich wurde.

 

Die beiden Hauptinitiatorinnen des Wohnprojekts, Waltraud Pohlen und Ute Hüfken, begegneten auf der Suche nach neuen unterstützenden und engagierten Lebens- und Wohnmodellen einem alten Vorbild: der Beginenbewegung. Verbunden mit der Idee, dass verschiedene Generationen außerhalb des Modells Kleinfamilie voneinander lernen und in gegenseitiger Unterstützung und Achtung miteinander leben können, entwickelten sie gemeinsam mit Initiativen aus anderen Städten das Konzept eines modernen, Generationen übergreifenden Beginenhofs. Sehr schnell schlossen sich weitere Frauen an, die ebenfalls auf der Suche nach einer unterstützenden und Perspektive bietenden Gemeinschaft waren.

Die Geschichte der Beginen in Europa lässt sich 900 Jahre zurückverfolgen. Bereits im frühen Mittelalter haben Frauen Gemeinschaften gebildet, die ihnen ein besonderes Ausmaß an gegenseitiger Unterstützung, Selbstbestimmung und Teilhabe am sozialen Leben und Wandel ermöglichten. Die Beginen waren selbstständige Frauen, die in großen oder kleinen Zusammenschlüssen, in Beginenkonventen oder Beginenhöfen, lebten. Ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangten sie durch Stiftungen, das Einbringen ihrer jeweiligen Besitztümer, ihrer erlernten Fähigkeiten und durch ihre Arbeit. Seit Mitte der 1980er Jahren hat die Beginenbewegung auch in Deutschland wieder Fuß gefasst und es entstanden in der Folge erste Beginenvereine, aus denen sich später die ersten Frauenwohnprojekte als »Beginenhöfe« entwickelten.

Ziel des Essener Projekts ist, in Anlehnung an seine historischen Vorläufer eine Lebens- und Wohnsituation zu etablieren und ständig weiterzuentwickeln, in der Frauen in verschiedenen Lebensaltern, mit verschiedenen Kompetenzen, aber auch Einschränkungen, mit Respekt und gegenseitigem Nutzen zusammen leben, voneinander lernen und sich bürgerschaftlich engagieren. Und so ist seit dem Jahr 2007 auf dem 3000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Finanzamtes Essen-Süd im Stadtteil Rüttenscheid ein Ensemble mit knapp 40 Wohnungen und Appartements sowie verschiedenen Gemeinschaftsräumen entstanden, dass zudem Platz für 10 Büroräume und ein Café bietet.

Die Offenheit und die vielseitigen Angebote sind etwas, das den Beginenhof so sympathisch macht. Ich bin gern dort Gast mit unserer Spielrunde, die sich einmal im Monat trifft.

Sabine K., Besucherin im Café MachWatt

Dieses Ziel wird seit 9 Jahren sowohl im Alltagsleben als auch in der Bewirtschaftung der Gemeinschafts- und Veranstaltungsräume verwirklicht. Jede Frau in jedem Alter hat Fähigkeiten, die sie zum Nutzen der Gemeinschaft einbringt. Organisation und Entscheidungen obliegen der wöchentlichen Hausversammlung, hier können alle Bewohnerinnen ihre Vorschläge und Wünsche einbringen.

Was mich immer wieder begeistert, sind die engagierten jungen Leute, die wir durch die Nutzung unserer Räume kennenlernen. Die retten Lebensmittel, gründen Initiativen, kümmern sich um Flüchtlinge, die packen richtig an.

Ilse Timmer (75) Bewohnerin und Mitverantwortliche für das Café

Den Bewohnerinnen des Beginenhofs ist es wichtig, zu aktuellen gesellschaftlichen Themen aktiv werden zu können. So finden beispielsweise in Zusammenarbeit mit der EhrenamtsAgenturEssen regelmäßig Kochabende mit Flüchtlingen statt, es gibt Sprachunterricht und ein Erzählcafé. Darüber hinaus ist das Projekt mit verschiedenen Akteuren und Initiativen aus Essen vernetzt, welche die Räumlichkeiten des Beginenhofs mitnutzen können. Der Bestand des Wohnprojekts ist durch die Übernahme durch die Städt. Wohnungsbaugesellschaft Allbau AG langfristig gesichert.

Kontakt und Ansprechpartnerin
Ulrike Friebel
Goethestr. 63 - 65
45130 Essen
Telefon: 0201/714512
Email: info@beginenhof-essen.de
Web: www.beginenhof-essen.de

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