Engagement des Jahres 2010: MediNetz Bonn e.V.

Bild des Benutzers Björn Lappe
Gespeichert von Björn Lappe am 23. Februar 2015
Stand von MediNetz unter einem Pavillon. Interessierte stehen um einen Tisch.

MediNetz Bonn e.V.

Engagement des Jahres 2010

Als Reaktion auf die Situation, dass Flüchtlinge ohne Aufenthaltstitel keinen Zugang zur gesundheitlichen Versorgung haben, wurde in Bonn im Sommer 2003 die Menschenrechtsinitiative MediNetzBonn gegründet. Allein für die Stadt Bonn schätzt man die Zahl der Menschen ohne Aufenthaltsstatus auf ca. 4000. Sie leben in der Illegalität.

 

Häufig wird im Krankheitsfall zunächst eine Eigenbehandlung versucht. Erst wenn eine professionelle Behandlung unvermeidlich geworden ist, wird meist auf Privatrechnung und unter falscher Identität eine Arztpraxis aufgesucht. Um eine notwendige und unaufschiebbare Behandlung bezahlen zu können, verschulden sich die kranken Menschen dann bei ihren Arbeitgebern, Bekannten oder Verwandten oder aber brechen die Behandlung, oft aus Kostengründen, wieder ab. Angesichts dieser Situation versucht MediNetzBonn diesen Menschen eine qualifizierte medizinische Behandlung zugänglich zu machen und sie im Krankheitsfall aufzufangen. Menschen, die sonst keine Hilfe bekommen würden.

 

MediNetzBonn hat ein Netz von heilberuflich Tätigen für eine kostenlose und anonyme medizinische, psychologische und zahnmedizinische Behandlung für Flüchtlinge ohne Papiere oder mit unsicherem Aufenthaltsstatus aufgebaut. Im Laufe von nunmehr sieben Jahren wurde MediNetz im Raum Bonn für Flüchtlinge zur etablierten Anlaufstelle – nicht nur in Fragen medizinischer Hilfe. Seitdem besuchen jeden Montag im Durchschnitt 6-10 Patientinnen und Patienten die MediNetz-Sprechstunde.

Bisher konnte MediNetzBonn ca. 2.900 Mal vermittelnd tätig werden. Die Zahl der tatsächlichen Behandlungen liegt wahrscheinlich noch höher, da Folgebehandlungen, Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen sowie regelmäßige Sitzungen bei einer Psychotherapie sich oft über Wochen oder Monate erstrecken. Möglich wird dies durch ein Netz von rund 70 ärztlichen Praxen unterschiedlichster Fachrichtungen, sieben psychologischen Therapeuten, sieben Hebammen, einer Heilpraktikerin, zwei Physiotherapeuten, einer Logopädin und 13 Dolmetscherinnen und Dolmetschern für die unterschiedlichsten Sprachen und einem Übersetzungsbüro. Außerdem arbeiten fünf Krankenhäuser und fünf Labore mit MediNetzBonn zusammen.

 

Vermittelte Behandlungen sind für die Patientinnen und Patienten ebenso kostenlos wie es die ehrenamtliche Vermittlungstätigkeit der MediNetz-MitarbeiterInnen ist. Alle beteiligten Heilberufler arbeiten unentgeltlich. Dennoch entstehen z.T. erhebliche Kosten für aufwendige Diagnostik oder Medikamente, da die Patientinnen und Patienten nicht in der Lage sind, die Kosten für Krankenhausaufenthalte, Operationen, Betreuung von Geburten, Impfungen für Kinder etc. zu tragen.  Diese werden ausschließlich aus Spendengeldern finanziert.

Von Beginn an war die politische Arbeit neben der praktischen medizinischen Hilfe ein wesentliches Anliegen von MediNetzBonn. Geleitet von der Überzeugung, dass »Menschen gleich an Rechten geboren« sind und die Menschenrechte für alle unterschiedslos gelten, setzt sich MediNetzBonn für Menschen ohne Aufenthaltsstatus ein und fordert den freien Zugang zum deutschen Gesundheits- und Bildungssystem.

MediNetzBonn ist mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Bonner Integrationspreis.

Kontakt und weitere Informationen:
Medizinische Beratungs- und Vermittlungsstelle für Flüchtlinge
c/o Informationsstelle Lateinamerika (ila) e.V.
Oscar-Romero-Haus
Heerstr. 205
53111 Bonn
Tel: 0228/ 69 52 66
E-Mail: info@MediNetzBonn.de
http://www.medinetzbonn.de/

Relevante

Pressemitteilungen

Weitere Informationen

auf engagiert-in-nrw.de