Immer mehr erwerbstätige Menschen betätigen sich neben ihrem Beruf in einem Ehrenamt. Ihre Zahl ist in Deutschland innerhalb von zwölf Jahren von 18 Prozent im Jahr 1999 auf heute 28 Prozent gestiegen. Das ist ein Ergebnis der Studie »Erwerbsarbeit und Ehrenamt in der Bundesrepublik Deutschland und in Nordrhein-Westfalen«, die im Auftrag des NRW-Sozialministeriums von der Sozialforschungsstelle der Technischen Universität Dortmund durchgeführt wurde.
Ein Drittel der Ehrenamtlichen engagiert sich demnach im Sport, beispielsweise als Fußballtrainer. Im Sport sind traditionell Männer stärker vertreten als Frauen. 19 Prozent der Ehrenamtlichen sind bei den Kirchen aktiv, hier engagieren sich eher die Frauen. Weitere stark vertretene Bereiche sind Rettungswesen (15 Prozent), Kultur (14 Prozent) und Bildung (10 Prozent), gefolgt von Soziales (9 Prozent), Gesundheitswesen und Politik (je 5 Prozent), Arbeitsleben (3 Prozent) und Rechtswesen (1 Prozent).
»Diese Zahlen widerlegen das Klischee von einer Gesellschaft, in der alle nur noch ihren eigenen Nutzen im Blick haben. Vielmehr belegen sie eine Konjunktur des Gemeinsinns«, sagte NRW-Sozialminister Guntram Schneider bei der Vorstellung der Studie in Düsseldorf.
Gleichzeitig weist die Studie auf Verschiebungen zwischen den Feldern ehrenamtlichen Engagements hin. So hat es im Sport einen Anstieg von 26 Prozent (1999) auf 33 Prozent (2011) und im Rettungswesen von 11 auf 15 Prozent der ehrenamtlich Aktiven gegeben. Besonders stark war dagegen der Rückgang im Bereich Politik (von 14 Prozent der ehrenamtlich Aktiven im Jahr 1999 auf fünf Prozent in 2011).
Die Studie zeigt zudem: Bei qualifizierten und hoch qualifizierten Beschäftigten ist der Anteil der ehrenamtlich Engagierten wesentlich höher als bei den niedrig qualifizierten Erwerbstätigen. In 2011 waren 17,4% der niedrig Qualifizierten ehrenamtlich engagiert gegenüber 37,1% der hoch Qualifizierten. Beim schulischen Abschluss ist die Diskrepanz noch größer: 12,7% der Erwerbstätigen ohne Schulabschluss sind ehrenamtlich tätig, wohingegen dies auf 32,2% bei denen mit Abitur zutrifft.
Für die Studie wurden im Sommer 2011 insgesamt 10.157 abhängig Beschäftigte zwischen 18 und 65 Jahren in ganz Deutschland befragt. Von diesen stuften sich 2.804 als ehrenamtlich tätig ein.