Die Justizvollzugsanstalt Detmold hat eine Abteilung mit 22 Haftplätzen für lebensältere Gefangene (ab 62 Jahren). Ihnen soll eine Vielzahl altersspezifischer Freizeitmaßnahmen angeboten werden. In Zusammenarbeit mit dem katholischen Seelsorger der Justizvollzugsanstalt werden vor diesem Hintergrund Verbindungen zu externen Gruppen und Vereinen geknüpft, gemeinsame Aktivitäten und Veranstaltungen organisiert und entsprechende Kontakte gepflegt. Begründet mit der seelsorgerischen Verantwortung für die Strafgefangenen entstand die Idee, unter dem Motto »Fünf von drinnen, fünf von draußen« gemeinsames Kochen und Essen von Strafgefangenen und Mitgliedern des Pastoralverbundes Detmold auf der Lebensälterenabteilung der JVA Detmold anzubieten.
Im Rahmen des Projekts lernen die Menschen des Pastoralverbundes die Lebenswelt der Gefangenen und die JVA in Detmold kennen, und die Gefangenen knüpfen Kontakt nach außen und können dadurch später evtl. Hilfe bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft erlangen. Seit Mai des Jahres 2008 treffen sich alle zwei Wochen mittwochs zwei bis drei ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und fünf Gefangene, um gemeinsam zu kochen und zu essen.
Männer und Frauen des Pastoralverbundes Detmold wurden vom katholischen Seelsorger der JVA Detmold direkt zur Mitarbeit an dem Projekt angesprochen. Die so gewonnenen Ehrenamtlichen motivierten ihrerseits wiederum Bekannte und Freunde. So hat sich inzwischen ein Kreis von 13 Männern und Frauen gebildet, die aktiv mit den Gefangenen die Kochabende vorbereiten und gestalten. Zusätzlich begleiten viele andere Menschen das Projekt durch ihre Unterstützung im Hintergrund, sei es durch Sachspenden, Geldspenden oder andere Mitarbeit zur Förderung des Projektes.
Begonnen wird jeweils mit einer kurzen Einführungsrunde in den Abend. Hier stellen sich alle untereinander vor, und es wird miteinander die Zubereitung des Essens besprochen. In einer kleinen Küche, die in einem ehemaligen Haftraum eingebaut ist, wird anschließend geschnippelt, geknetet, gerührt, gebacken, gekocht, gebraten und angerichtet. In einem Gemeinschaftsraum des Kellergeschosses wird mit einfachsten Mitteln (Bettlaken als Tischtücher) liebevoll ein Tisch gedeckt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen dafür immer passende Tischdekorationen mit.
Beginnend mit einer Lesung aus der Hl. Schrift, einem Tischgebet und dem Segen der Tischgemeinschaft wird dann in angenehmer Atmosphäre das gemeinsame Essen genossen. Je öfter sich die Ehrenamtlichen und Gefangenen beim Kochen, Zubereiten und Essen begegnen, desto lebendiger und anregender entwickelt sich die Unterhaltung bei Tisch und in der Vor- und Nachbereitungszeit des gemeinsamen Abends im Gefängnis.
Für den Kauf der Lebensmittel müssen die teilnehmenden Gefangenen einen Eigenbeitrag von fünf Euro pro Kochabend zahlen. Für einige Gefangene ist das viel Geld, wenn man bedenkt, dass einige Insassen einer JVA lediglich 30 Euro im Monat zum Erwerb von zusätzlichen Nahrungs- und Hygieneartikeln haben. Den größten Anteil der Lebensmittelkosten hat zu Beginn des Projektes ebenfalls die katholische Seelsorge aus ihrem geringen Jahresetat (ca. 800 Euro/Jahr) bestritten. Da in einem Jahr ca. 25 Kochabende stattfinden und die Kosten pro Abend ca. 50 Euro betragen, muss weiter nach Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden.
Eine Würdigung des ehrenamtlichen Engagements erhielten alle Beteiligten im Jahr 2009 durch die Verleihung des Pauline-von-Mallinckrodt-Preises durch die Caritasstiftung im Erzbistum Paderborn. Im August 2010 wurde das Projekt als »Engagement des Monats« ausgezeichnet.
Kontaktinformationen
Tel.: (0 52 31) 61 41 85
Email: lothar.dzialdowski@jva-detmold.nrw.de
Organisation
Diakon Lothar Dzialdowski
JVA Detmold
Bielefelder Straße 78
32756 Detmold
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