»Jetzt bin ich nicht mehr nur die Frau mit dem Stock oder dem Rollstuhl, die im Altenheim wohnt und manchmal im Cafe sitzt, sondern jetzt bin ich auch die Frau, die im Kindergarten vorliest«, so Frau P., 53 Jahre, die im AnJa-Projekt aktiv mitarbeitet.
Das Projekt »AnJa - Anders? Ja! Anders aktiv!"« will Menschen wie Frau P. dazu ermutigen, sich ehrenamtlich zu engagieren - trotz körperlicher oder geistiger Behinderung. Betroffene sollen sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst werden, eigene Kräfte entwickeln und soziale Ressourcen nutzen.
Initiator und Träger des Modellprojektes ist die Freiwilligenzentrale Moers (FWZ). Im Gespräch mit interessierten Menschen mit Behinderungen und Mitarbeitenden aus verschiedenen Einrichtungen hat die FWZ festgestellt, dass es großen Bedarf gibt, ein Beratungs- und Begleitangebot für ehrenamtliches Engagement für Menschen mit Behinderungen zu entwickeln. Ziele des »AnJa«-Projekts sind:
- Soziale Aktivierung von Menschen mit Behinderungen
- Wahrnehmung von Kompetenzen
- Weiterentwicklung vorhandener Ressourcen
- Ermöglichung von Teilhabe
- Aktivierung bürgerschaftlicher Potentiale
Inspiriert wurde die FWZ außerdem durch die ermutigenden Erfahrungen des niederländischen Projekts »Vrijwilligerswerk en lichamelijke Beperking« (Freiwilligenarbeit und körperliche Einschränkungen) der Vrijwilligerscentrale Nijmegen.
Hinter der Entwicklung von »AnJa« steht die Idee der »gleichberechtigten Teilhabe«. Menschen mit Behinderungen werden als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft wahrgenommen. Dabei geht man von von der Notwendigkeit gegenseitiger Annäherung/Anpassung behinderter und nicht behinderter Menschen ausgeht.
Um die Arbeit von »AnJa« einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit des ehrenamtlichen Engagements nahe zu bringen, wurde intensive Pressearbeit betrieben. Bei Informationsterminen zum Thema Ehrenamt und Behinderungen konnten sich Interessierte direkt informieren.
Auch den beteiligten Einsatzorganisationen und Verbänden wurde Beratung für die Integration von Ehrenamtlichen mit Behinderungen angeboten, um einen möglichst reibungslosen Start zu ermöglichen. Der erste Kontakt der Freiwilligen mit den Ansprechpartnern vor Ort wurde von den Mitarbeitenden des Projektes stets begleitet, um Schwellenängste zu mindern und den Weg zum Einsatzort kennen zu lernen.
Seit Projektbeginn im Jahr 2004 wurden mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger beraten, 76 davon haben sich zum freiwilligen Engagement entschlossen.
Die guten Erfahrungen in dem Projekt motivierten die FWZ Moers zur Weiterentwicklung mit der Fokussierung auf die Zielgruppe der Menschen mit geistigen Behinderungen. In sog. »Tandem-Teams« werden seit kurzem geistig behinderte Menschen gemeinsam mit einem nicht-behinderten Partner ehrenamtlich tätig.
Die FWZ Moers erhielt als einer von fünf Preisträgern den diesjährigen Innovationspreis der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (vgl. auch Meldung auf dieser Seite).
Mehr Informationen zum Modellprojekt:
Modellprojekt »AnJa«
Diakonisches Werk im Kirchenkreis Moers
Rheinberger Str. 17
47441 Moers
Tel.: (0 28 41) 10 01 17
Fax: (0 28 41) 10 01 18
www.projekt-anja.de