Mit dem Mentorenprogramm "Balu und Du" soll benachteiligten Grundschulkindern der Start ins Leben erleichtert werden. Kinder, die uns wegen unterschiedlicher Problemlagen von den Lehrern und Lehrerinnen vorgeschlagen werden, erhalten auf freiwilliger Basis die persönliche Betreuung eines jungen Erwachsenen. Dieser "große Freund", der sog. Balu, trifft das Kind, das Mogli, ca. ein Jahr lang einmal die Woche für einige Stunden, um es in seiner Entwicklung zu fördern.
Die Gründe für die Aufnahme in das Mentorenprogramm sind unterschiedlicher Natur; z.T. sind die Kinder oft alleine und ihre Beschäftigung am Nachmittag ist auf Fernsehen und Playstation beschränkt, manchmal liegen bestimmte Begabungen brach, einige Kinder werden gemobbt und benötigen mehr Selbstvertrauen, in anderen Fällen sind Probleme aufgrund von Migration auszugleichen. Kinder, deren Entwicklungspotential nicht ausgeschöpft ist, fallen nicht immer sofort auf. Zwar sind einige von ihnen zappelig oder schrill und ziehen deshalb die Aufmerksamkeit auf sich, andere dagegen sind zurückgezogen, interesselos, apathisch, ablehnend oder mutlos. Ziel des Projekts ist es, einer Entwicklung entgegen zu wirken, die sich später im Jugendalter als Devianz in ihren vielfältigen Formen zeigen könnte: Gewaltbereitschaft, Schulschwänzen und Schulverweigerung, Alkohol- und Drogenkonsum, Inaktivität, ethnische Desintegration, Teenagerschwangerschaften, Selbstaggression oder Viktimisierung. Jede dieser Beziehungen gestaltet sich anders - entsprechend den Interessen oder der individuellen Lage des Kindes.
Das Projekt hat mehrere Standorte. Ausgangspunkt waren die Universität Osnabrück (Fachgebiet Sozialpädagogik) und der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln. Die jungen Freiwilligen (18-30 Jahre) sind Studierende, Oberstufenschüler oder sie werden über Kirchengemeinden und Freiwilligenagenturen gewonnen. Die Stiftung Jugendmarke förderte das Projekt von April 2002 bis März 2005, jetzt erfolgt die Finanzierung durch das Programm "entimon" der BMFSFJ sowie durch das Programm "Bürger initiieren Nachhaltigkeit" des Deutschen Instituts für Urbanistik. Im November 2005 wurde "Balu und Du" der "Deutsche Förderpreis Kriminalprävention" verliehen, im April 2006 erhielt das Programm den "LeapFrog Learning Award", im Juli 2006 eine Auszeichnung der Initiative Blue Sky Involve von Johnson Controls. Seit September 2006 wird Balu und Du in NRW durch die Aktion Lichtblicke gefördert."
Die Balus treffen sich regelmäßig in Gruppen und werden durch eine Fachkraft begleitet (ein Mix aus Supervision, Kasuistik und pädagogischer Reflexion). Sie schreiben wöchentlich Tagebuch über den Verlauf der Beziehung (per e-Mail). Diese Berichte ermöglichen eine dichte Betreuung sowie (neben anderen Verfahren) eine Evaluation des Programms. Die MentorInnen sowie die Kinder sind haftpflicht- und unfallversichert. Bisher wurden über 400 Beziehungen gestiftet.
Nach etwa einem Jahr enden die regelmäßigen Treffen zwischen den Balus und Moglis. Das bedeutet aber keinen Abbruch der Beziehung. Aus dem "Projekt" ist nun meistens eine freundschaftliche Beziehung geworden. Und genau wie sich Freunde nicht jede Woche "montags um drei" treffen, so lebt diese Beziehung fort. Man telefoniert, man verabredet sich und trifft sich ab und zu, man schreibt sich Karten oder e-mails. Und vor allem - wenn die Kinder einmal ihren großen Freund in Krisensituationen benötigen, dann wissen sie, an wen sie sich wenden können.
Balu und Du e.V.
Dominik Esch
Georgstraße 7
50676 Köln
Tel.: 0221-2010-326
dominik.esch@balu-und-du.de
www.balu-und-du.de
Universität Osnabrück
Prof. Dr. Hildegard Müller-Kohlenberg
Heger-Tor-Wall 9
49069 Osnabrück
Tel.: 0541-969-4562
mueller-kohlenberg@balu-und-du.de